1000 Profile bei speakerinnen.org: “Wir wünschen uns Speakerinnen aus allen Bereichen”

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +
Nicht nur im Silicon Valley sind Events davon geprägt, hauptsächlich männliche Vortragende einzuladen. Deshalb hat sich, aus Deutschland kommend, seit 2013 eine Initiative entwickelt, die etwas dagegen tun will. Die Entwicklerinnen der Plattform speakerinnen.orgAnne Roth und Maren Heltsche, setzen sich für mehr Frauen auf internationalen Podien ein. Wir haben zum 1000. angelegten Profil mit ihnen gesprochen.

In Wien sucht übrigens auch gerade die Woman Techmakers Konferenz nach Speakerinnen, bis Anfang Februar kann man sich bewerben.

In San Francisco hat sich derweil eine andere Liste einen Namen gemacht, sie nennt sich 50/50 Pledge. Hier haben sich schon Speakerinnen von Google, Square, Facebook, Slack, Kleiner Perkins, Pinterest und Dropbox angemeldet.

Nun aber zu dem, was Anne und Maren zu erzählen haben:

annemaren

Anne Roth (links) und Maren Heltsche (rechts)

Warum habt ihr Speakerinnen.org gestartet?

Anne: Ich zähle seit langem, wie viele Frauen auf den Bühnen der Konferenzen sitzen, die ich besuche – vor allem im IT-Bereich. Daraus wurde ein Blog, in dem die Zahlen veröffentlicht wurden. Wenn Veranstalter mit den oft sehr niedrigen Zahlen konfrontiert werden, ist eine häufige Reaktion: Wir haben keine geeignete Frau gefunden. Die Idee zu einer Speakerinnen-Liste ergab sich fast von allein und auf einen Tweet, den ich dazu geschrieben habe, meldeten sich dann die Rubymonstas.

Maren: Die Rubymonstas sind eine Gruppe von Frauen, die im Rahmen der Rails Girls programmieren gelernt haben. Wir waren auf der Suche nach einem neuen Lernprojekt, sind auf Annes Tweet gestoßen und haben die Idee umgesetzt. Das passte inhaltlich auch super zur Grundidee der Rails Girls, die ja das Thema der Gender Diversity in der IT angehen. Ich persönlich war auch über meine Arbeit bei den Digital Media Women mit dem Mangel an Frauen auf den Bühnen beschäftigt.

Wer schaut heute auf die Plattform, denkt ihr?

Anne: Aus den Reaktionen merken wir, dass Veranstalter tatsächlich häufig bei uns nach Rednerinnen suchen: das berichten uns Frauen, die ein Speakerinnen-Profil haben. Außerdem suchen Journalist_innen oft nach neuen Interview-Partner_innen.

Habt ihr Tipps, wie man ein Profil sichtbarer machen und verbessern kann?

Anne: Ein gutes Profil sollte Veranstalter_innen helfen einzuschätzen, ob eine Speakerin, die sie noch nicht kennen, zu ihrem Event passt. Gut sind z.B. Videos von Events und weitere Referenzen, wo die Frau schon gesprochen hat, sowie eine aussagekräftige kurze Biographie. Damit ist nicht der Lebenslauf gemeint, es geht um Stationen, die erläutern, welche Qualifikationen die Frau für ihr Thema mitbringt.

Maren: Was außerdem wichtig ist, sind prägnante kurze Stichworte zu den eigenen Themen, denn darüber werden die Speakerinnen in der Datenbank gesucht und gefunden.

Wie hat sich seit der Gründung der Plattform getan?

Anne: In den vergangenen Jahren ist das definitiv als Thema besser sichtbar geworden. Uns erreichen oft Tweets, die mangelnde Repräsentanz von Frauen auf Bühnen oder bei Talkshows kritisieren. Ob sich die Zahlen in den letzten beiden Jahren verändert haben, lässt sich schlecht sagen. Dazu fehlt uns die Datengrundlage. Aber es ist sicher noch ein langer Weg, bis sich spürbar etwas ändert.

Maren: Das Thema kommt auch bei den Event-Organisator_innen immer mehr an. Wir bekommen zudem immer wieder Anfragen von Organisator_innen, die möchten, dass wir ihren Call for Papers teilen, oder die uns nach Tipps fragen, wie sie die Anzahl der Frauen auf ihren Bühnen erhöhen können.

Weil ich gerne noch mehr Vorträge über meine Leidenschaft, das Storytelling, halten will – manche nennen mich liebevoll …

Posted by Ines Häufler on Monday, July 14, 2014

Auf welchen Markt konzentriert ihr euch?

Anne: Auf gar keinen. Wir wünschen uns Speakerinnen aus allen Themenbereichen. Geografisch liegt der Schwerpunkt im Moment noch im deutschsprachigen Raum, einfach, weil wir hier angefangen haben und selbst hier auch präsenter sind. Wir haben die Speakerinnen-Liste aber bewusst international angelegt, also auch mit englischer Eingabe-Maske und Website. Das wird auch begeistert aufgenommen.

Könnt ihr euch an eine besondere Story erinnern?

Maren: Die eine Erfolgsstory gibt es nach unserem Wissen nicht, falls es sie gibt, möchten wir sie natürlich gerne hören. Aber es gibt einige Frauen, die uns das Feedback geben, dass sie schon viele Aufträge und Angebote über die Plattform bekommen haben.

Was wünscht ihr euch nach dem 1000. angelegten Profil noch?

Anne: Die nächsten 1000, und dann noch viel mehr! Wir wollen gern in thematischen Bereichen wachsen, die noch nicht so gut repräsentiert sind. Deswegen gehen wir auch aktiv auf Berufs Netzwerke zu und auch auf junge Frauen, denn für uns ist nicht entscheidend, dass Speakerinnen schon viel Erfahrung haben. Wir wollen alle Frauen ermutigen, sich auf kleine oder große Bühnen zu stellen.

Maren: Außerdem wünschen wir uns eine stärkere internationale Verbreitung. Schließlich ist die mangelnde Präsenz von Frauen auf den Bühnen überall ein Problem.

Share.

About Author

Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

Leave A Reply