Brooklyn: Wo Startups die Wissenschaft verändern

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Mit dem “Urban Future Lab” hat die New York University mit Unterstützung der Stadt New York einen Inkubator für Clean Tech-Startups geschaffen. Universitäre Ideen wie kabellose Ladestationen für Elektro-Autos werden hier zu Unternehmen hochgezogen.

Jenseits der Finanzindustrie

Unfertige Wolkenkratzer prägen die Skyline in Downtown Brooklyn. Am MetroTech Center inmitten des “Brooklyn Tech Triangles” herrscht mittags ähnliches Treiben wie an der Wall Street in Manhattan. Hier befindet sich neben Großkonzernen auch die Polytechnic School of Engineering der NYU. Neben Fakultäten hat die Universität hier auch einen Platz für Startups eingerichtet.

“Nach der Krise im Jahr 2008 war es Bürgermeister Bill de Blasio ein Anliegen, dass sich die Stadt nicht mehr auf die Finanzindustrie verlässt, sondern auch andere Zweige fördert”, erzählt Kurt Becker die Entstehungsgeschichte des Urban Future Labs, ein Inkubator für Clean Tech-Startups. Der gebürtige Deutsche kam während der “Brain Drain”-Welle in den 80er Jahren in die USA, heute ist er Prodekan für Forschung, Innovation und Entrepeneurship an der NYU und leitet außerdem das Urban Future Lab. Als die Stadt 2009 einen Partner für die Startup-Initiative suchte, bot sich die Universität an. Der “Varick Street Incubator” war geboren. Als zweites Programm starteten die beiden Partner einen Accelerator für erneuerbare Energien, “ACRE”. Mit dem Urban Future Lab entstand schließlich vor eineinhalb Jahren ein Inkubator für Ideen, die der Stadt und dem Bundesstaat Innovationen für den Energiesektor liefern.

“Die Startups befinden sich in sehr frühen Phasen und erhalten bei uns kostenlose Unterstützung und günstige Arbeitsplätze”, erklärt Becker. Mindestens sechs Monate bleiben die Jungunternehmer am Standort in Brooklyn. An Beteiligungen sind die Uni und die Stadt nicht interessiert. Vielmehr geht es dem Startup-Unterstützer um Kollaboration: Viele der Ideen entstehen noch im universitären Bereich und werden im Urban Future Lab als eigenständige Unternehmen aufgebaut. “Wir haben außerdem auf Basis unserer Erfahrungen im Startup-Bereich die Curricula verändert”, ergänzt der Prodekan.

Kabellose Ladestationen

Eine der Technologien, die ihren Ursprung an der NYU hat, ist Hevo Power. Dabei handelt es sich um eine Ladestation, die über Magnetfelder das kabelloses Aufladen von elektrischen Fahrzeugen ermöglicht. “Derzeit arbeiten wir vor allem mit europäischen Unternehmen zusammen, die Hevo Power für Lieferwägen einsetzen”, berichtet Gründer Jeremy McCool. Das große Potenzial sieht er im Markt der Elektro-Autos, der sowohl in Europa als auch den USA wächst. Hevo Power will in dichten Städten wie New York mit der Wireless-Übertragung der Energie die Ladestationen ersetzen. Die Verbindungen zu Europa bekam McCool von anderen Gründern, die derzeit im Urban Future Lab sitzen. Denn wie Betreiber Becker betont, sind Unternehmen aus aller Welt im Inkubator willkommen. 

Ein Startup, das den Urban Future Lab-Inkubator erst kürzlich verlassen hat, ist Smarter Grid Solution. Im Financial District Manhattans, wo früher Goldman Sachs beheimatet war, hat sich das Unternehmen im CoWorking-Space WeWork eingemietet.

Smarter Grid Solution entstand bereits 2008 und entwickelt Systeme, die die Energieversorgung effizienter regulieren lassen. In Schottland sind die Softwarelösungen bereits bei den wichtigsten Stromversorgern im Einsatz, jetzt will Emily Wheeler, VP of Operations, mit ihrem Team den US-Markt erobern: “Der Markt ist hier schwieriger, weil es tausende regionale Anbieter gibt und von Staat zu Staat unterschiedliche Bestimmungen. Ein zweites Standbein haben sich die Entwickler deshalb mit der Durchführung von Studien für die Energieversorger aufgebaut. “New York ist für uns deshalb ein guter Standpunkt, weil wir nahe an Europa sind und Mitarbeiter noch einfacher zu finden sind als im Silicon Valley.”

Becker von der NYU betont ebenfalls, dass der Austausch von der Ostküste nach Europa intensiv sei. Der Innovationsbeauftragte war auch bei der Errichtung des German Accelerators in New York beteiligt und versucht die Beziehungen zwischen Deutschland und der Ostküstenmetropole zu stärken. Mit dem CleanTech Business Park in Berlin-Marzahn hat der Becker im vergangenen Herbst eine Partnerschaft mit der NYU aufgebaut. Warum Startups nach New York gehen sollen, dafür hat er nicht nur wissenschaftliche Antworten: “Das ist New York, wer würde nicht gern hier sein?”, lacht Becker in seinem Büro mit Blick auf die Skyline der Stadt.  

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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