Warum Betaworks in das österreichisches Startup Chatgrape investiert

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Das New Yorker Startup-Studio Betaworks investiert in das österreichische Startup ChatGrape, 1,3 Millionen US-Dollar erhält das junge Unternehmen in der aktuellen Finanzierungsrunde.

Der Startup-Förderer ist vor allem für seine Investments in Tumblr und Airbnb bekannt, zuletzt hat Betaworks die Social News-Plattform Digg umstrukturiert. Warum also haben die Investoren Interesse an einer Enterprise Messaging-Lösung aus dem deutschsprachigen Raum? Gründer und COO Leo Fasbender erklärt gegenüber Fillmore, wie die Beteiligung zustande kam und was ChatGrape eigentlich macht.

“Nicht nur ein Slack-Klon”

Vor einigen Jahren habt ihr mit Newsgrape ein Tool für Publisher gegründet. Wie ist daraus euer jetziges Produkt Chatgrape entstanden?

Leo Fasbender: Mit Newsgrape hatten wir das erste Mal ein Projekt gestartet, dass einen innovativen Mehrwert für seine Nutzer bot, allerdings waren wir damals keine Unternehmer sondern Studenten, die Lust und Energie hatten, Projekte mit Mehrwert zu starten. Das war dahingehend relevant, weil Newsgrape zwar ein Erfolg unter der Nutzerschaft war (zehntausende aktive User und Blogger), aber kein Geschäftsmodell hatte und damit ultimativ zum Scheitern verurteilt war. Wir haben damals große Teile davon Open Source zur Verfügung gestellt und uns gefragt, was wir denn nun gelernt hätten.

ChatGrape ist das zweite Startup von Leo Fasbender.

ChatGrape-CMO Tobias Seiler, COO Leo Fasbender und CEO Felix Häusler.

Und eines der wichtigsten Learnings war, dass ein Projekt noch so gut und innovativ sein kann, wenn kein Geschäftsmodell dahinter steckt ist es, leider, in unserem heutigen Wirtschaftssystem eher wertlos. Vor allem aber haben wir damals angefangen, uns mit Sprach- und Textanalyse zu beschäftigen, und wie man große Datenpunkte innerhalb von Datenbanken verknüpfen kann, was schließlich in die Entwicklung von ChatGrape gemündet hat.

ChatGrape ist ein Kommunikationstool für Unternehmen. Was unterscheidet euch von anderen Lösungen wie Yammer oder Slack?

Fasbender: Unsere größten Mitbewerber sind typischerweise Slack und HipChat. Das Wichtigste in diesem Zusammenhang ist, dass wir nahezu alle relevanten Features und Funktionen unserer Mitbewerber jetzt schon abdecken oder in naher Zukunft abdecken werden, ihnen aber mit einer Reihe von Innovationen begegnen.

Dank unserer fortschrittlichen Forschung und Entwicklung sind wir unseren Konkurrenten in drei Entwicklungsschwerpunkten voraus:  Deep Service Integration, das heißt die Integration externer Services und Daten; die  Sprechakt-Erkennung – “Entweder-Oder” Fragen werden erkannt und markiert und Workflows wie Kalendereinträge automatisch erstellt. Und der dritte Teil ist Smart Tagging: Fragen und Ideen werden als solche erkannt und das System lernt anhand vom individuellem Tagging. Dieses Feature kommt 2015.

Bei ChatGrape geht es um Entwicklung auf High-Tech-Ebene. Es ist nicht nur ein Slack-Klon aus Europa. Dann hätten wir uns die Mühe nicht gemacht – und sicher nicht Betaworks als Investor gewonnen.

Sprecht ihr mit dem Dienst bestimmte Branchen oder Berufsfelder an?

Fasbender: Unsere Zielgruppe – speziell für die Anfangszeit – sind Startups und KMUs mit bis zu 30 Mitarbeitern aus dem IKT Bereich, da unsere Integrationen in dieser Frühphase speziell auf diese Gruppe zugeschnitten sind. Außerdem sind Startups vermehrt “Early Adopter”. Später werden wir auch zunehmend für konventionelle mittelständische Unternehmen aus anderen Branchen interessant und langfristig planen wir eine selbstgehostete Enterprise Version für größere Unternehmen.

Ist ChatGrape schon bei Unternehmen im Einsatz? Wenn ja, wieviele User oder Kunden habt ihr bereits in der Betaphase?

Fasbender: ChatGrape ist bei etwas über 1.000 Unternehmen im Einsatz, das sind derzeit knapp 6.000 Nutzer, die bereits knapp 500.000 Nachrichten untereinander verschickt haben. Diese kommen zu ca 60 Prozent aus den USA, zu 35 Prozent aus der DACH-Region und 5 Prozent weitere Länder.

TechCrunch schreibt, dass Josh Miller von Betaworks euch in Österreich getroffen hat. Wie ist der Kontakt zu ihnen entstanden?

Fasbender: Einer unserer Partner hat ein Event organisiert, wo ein paar Startups Österreichs Feedback einholen konnten. Josh war so begeistert von unserem Ansatz, das daraus eine enge Zusammenarbeit hervorgegangen ist.

Wie viel Finanzierung habt ihr bisher ingesamt erhalten?

Fasbender: Insgesamt zwei Millionen US-Dollar. Wir hatten Ende 2013 eine Startfinanzierung von FFF, FFG und einem Investor von knapp 440.000 Euro  Jetzt haben wir knapp 1,1 Millionen Euro als Budget für die nächsten 12-14 Monate, um die Early-Access Phase zu verlassen und die IndexAPI freizugeben – einen neuen Standard zum Austausch von Daten und Informationen zwischen Cloud-Services und Kommunikationstools. Den können andere verwenden, um ihre Daten in ChatGrape zu integrieren.

Was sind jetzt eure Pläne – zieht ihr zu Betaworks oder bleibt ihr am österreichischen Standort?

Fasbender: Wir behalten den Standort mit zehn Mitarbeitern in Wien und sehen große Vorteile darin, hier unsere technische Entwicklung zu haben. Wir sind aber ziemlich oft in den USA, dort sind einige große internationale VCs, die Interesse daran haben, bei ChatGrape einzusteigen. Hier suchen wir den besten strategischen Partner um ChatGrape international zum Erfolg zu führen und auf jeden Fall Marktführer in Europa zu werden.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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