Venture Capital in Österreich und USA: Was Investoren wirklich wollen

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Das Startup-Geschäft boomt, doch die Finanzierung und Politik hinkt nach, beschweren sich Investoren aus den USA und Österreich. Bei einer Podiumsdiskussion verrieten die Kapitalgeber, was sie sich von Gründern erwarten.

 Viel Neid, wenig Risiko

Österreichs Startup-Szene ist seit vergangener Woche um 58 Millionen Euro reicher – zumindest theoretisch. Denn so viel haben die Kapitalgeber von Speedinvest für ihren zweiten Seedstage-Fonds aufgestellt. Partnerin Marie Hélène Ametsreiter betonte am Montag bei einer Diskussion mit Kollegen aus den USA und Österreich, dass in der jüngeren Vergangenheit der Hype um die Gründerszene gestiegen ist. Das merkt auch Monica Dodi, Gründerin des Women Venture Capital Funds in Los Angeles. Mit ihrem Fonds finanziert sie Startups im Digital- und E-Commerce-Bereich. Fünf Unternehmen sind seit der Gründung der VC-Firma im Jahr 2011 im Portfolio. Dodi schätzt die Nähe zu ihren Startups, “weshalb wir vorwiegend an der Westküste interessieren.”

Doch auch Europa interessiert die Investorin, die bereits mehrere Jahre hier gearbeitet hat und sich oft in Paris aufhält. Im Vergleich mit den USA merkt sie, dass Europäer mit dem Geld verdienen nicht so offen umgehen. Da stimmt Speedinvest-Managerin Ametsreiter zu: “Die Österreicher sind schnell neidisch und wollen nicht geizig wirken.”  Zudem würden die Reichen des Landes ihr Geld noch immer lieber aufs Sparbuch legen, denn Risikobeteiligungen wie Startups zu tätigen.

Sowohl Ametsreiter als auch Herwig Springer, der neue CEO des Inkubators i5invest, wünschen sich deshalb mehr Unterstützung von der Politik. “Verbesserungen könnte man relativ einfach schaffen, etwa durch die Erleichterung der Unternehmensgründung”, schlägt Springer vor. Startups seien bei der Politik mittlerweile ein beliebtes Thema, allerdings passiere bei den Parteien tatsächlich wenig, kritisiert Ametsreiter. Von erfolgreichen Unternehmern wünscht sich Springer, das diese ihr Geld künftig weiterhin am Standort Österreich investieren.

Team vor Produkt

Bei der Bewertung von potenziellen Beteiligungen ist den Kapitalgebern vor allem eines wichtig: das Team. “Ein gutes Team kann auch gute Produkte schaffen”, auch wenn man sich von der Ursprungsidee verabschiede, berichtet der i5invest-Chef. Gute Gründer seien außerdem nicht beratungsresistent und offen für Änderungsvorschläge. US-Investorin Dodi warnt jedoch davor, nur auf die Investoren zu hören. “VCs liegen auch mal falsch. Ich habe mal den Fehler gemacht, beim Geschäftsmodell den Rat der Investoren zu verfolgen.”

Und was bringt die Geldgeber dazu, Emails von Startup-Gründern auf der Suche nach Finanzierung zu öffnen? “Ich schätze lieber persönliche Empfehlungen als Emails”, verrät Springer von i5invest. Dodi vom Women’s Venture Capital Fund entgegnet: “Ich lese alle Emails”. Auch Speedinvest-Partnerin Ametsreiter sagt, dass alle Emails abgearbeitet werden: “Wir schaffen gerade ein Prozess, damit jede Nachricht an den richtigen Experten bei uns für das Thema weitergeleitet wird.”

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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