Wie Unternehmerin Kathrin Folkendt sieben Startups in sieben Tagen launchte

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Startup-Erfahrung hat sie ja: Bevor Kathrin Folkendt vergangenes Jahr nach Chiang Mai – Thailands Digital Nomad-Mekka – zog, baute sie das Online-Marketing von Tupalo auf und berät seit zwei Jahren Startups auf selbständiger Basis. Mit ihrer Aktion “7 Startups in 7 Tagen” machte sie vergangene Woche international auf sich aufmerksam. Fillmore hat nachgefragt, wie es zu dem spontanen Gründen kam. 

Hier die Startups in Reihenfolge ihres Launches mit Kathrins Elevator-Pitch:

  1. #iamkathrinI’ve decided that I need to find a way to enable people to pay me for my mere existence. And #iamkathrin let’s them do this.
  2. i missed her keynoteWhen you want to kill some time, don’t watch reality TV, watch conference talks and learn something. I missed her keynote. helps you discover the best conference talks out there.
  3. Digital Nomad Manifesto:Wanna know what digital nomads are really like and maybe become one yourself? We’ll help you out!
  4. Awesome Stuff on Amazon:  Love shopping, but hate finding stuff to buy. Let us help you out. We introduce you to the weirdest products on Amazon
  5. BiohackedOur weekly newsletter helps you on your journey to becoming a biohacker.
  6. Average RockstarIt’s like Startup Vitamins for broke people.
  7. Ask Me AnythingWanna learn how I launched 7 startups in 7 days! Join me.

Wie geplant war dein Startup-Spree? Von außen wirkte es so, als hättest du ziemlich kurzfristig eine Idee online gestellt und dann einfach weitergemacht…

Kathrin Folkendt: Ja, das trifft’s ziemlich gut. Die Aktion war gar nicht geplant. ich wollte eigentlich einfach endlich mal eine Portfolioseite für mich machen und habe an einem Abend zu schreiben begonnen, weil ich Lust drauf hatte. Eine Portfolioseite ist es zwar nicht geworden, aber ich fand’s witzig und finde eigentlich, dass mich #iamkathrin ziemlich gut als Person repräsentiert. Ich mag Sarkasmus.

Das Ganze hat sich dann verselbstständigt. Es kam extrem viel positives Feedback, ich habe tatsächlich Geld verdient und hatte einfach nur irre viel Spaß. Danach konnte ich nicht schlafen und mir ist in der Nacht die Idee zu “I missed her keynote.” gekommen. Als diese Seite live war, dachte ich #3startupsin3days klingt viel cooler als #2startupsin2days und ich habe beschlossen, Digital Nomad Manifesto zu launchen. Als ich dann herausgefordert wurde und man mich fragte, ob ich eine ganze Woche schaff, dachte ich: Challenge accepted! And what can I say?! I made it!

Hattest du die einzelnen Ideen schon länger?

Einige Ideen hatte ich schon länger, andere sind tatsächlich in der Nacht entstanden, am Vormittag umgesetzt und am Nachmittag gelauncht worden. Biohacked und Digital Nomad Manifesto zum Beispiel waren Hobby-Projekte, die ich allerdings nie wirklich großartig an die Öffentlichkeit getragen habe.

Hast du dir Unterstützung geholt oder alle Projekte im Alleingang umgesetzt?

Ich habe alle Projekte allein umgesetzt. Ich kenne mich ein bisschen mit WordPress, HTML and CSS aus, aber bin bestimmt keine Expertin, weshalb die Seiten teilweise auch nicht besonders hübsch und extrem buggy sind. Mir wurde von vielen Seiten Hilfe angeboten und viele haben sich mit ihren Ideen eingebracht, was mich wahnsinnig gefreut hat und wofür ich auf sehr dankbar bin. Allerdings bin ich selbst Freelancerin und mag es deswegen nicht, Menschen für mich arbeiten zu lassen ohne sie dafür zu bezahlen.

Du hast auch um Spenden gebeten und verkaufst Produkte. Was hast du bisher eingenommen?

Bisher habe ich ca. 350 US-Dollar eingenommen, wovon ich allerdings einen Teil gespendet habe. Wenn ich mehr Fokus auf nur ein Projekt gelegt hätte, wäre sicher mehr gegangen, aber Geld zu verdienen war nicht das primäre Ziel der Aktion.

Gab es interessante, amüsante Reaktionen auf deine Startup-Woche? Haben sich sogar Investoren gemeldet?

Ja, die gab es. Viele sogar. Es war alles dabei von Menschen, die mich arrogant fanden und den Humor nicht verstanden haben zu denen, die es super fanden, was ich mache. Es gab die, die mich nicht ernstgenommen haben und die, die mir Hilfe angeboten haben. Das komplette Spektrum also. Mein persönliches Highlight war, von Cindy Gallop, der Gründerin von MakeLoveNotPorn.tv und einer meiner persönlichen Heldinnen, auf Twitter endorsed zu werden. Sie fand I missed her keynote. witzig und hat es mit ihren mehr als 35000 Followern geteilt.

Interesse von Investoren gab es bisher noch keines, was mich ehrlichgesagt total überrascht. Nein, ernsthaft. Alle Projekte außer “I missed her keynote.” eventuell, brauchen nicht wirklich Investment, sondern sind eher auf “das schnelle Geld” ausgelegt. “I missed her keynote.” finde ich prinzipiell vom Konzept und Monetization Modell her ziemlich cool, wenn ich das mal sagen darf und hier sehe ich auch eventuell eine Investment Opportunity, weil es in erster Linie darum geht zu skalieren, um dann B2B-Kunden entsprechend Reichweite bieten zu können.

Wheatgrass-Shot zwischen den Startup-Launches.

Wheatgrass-Shot zwischen den Startup-Launches.

Welches der Projekte hat am besten funktioniert? 

Das meiste Geld habe ich mit #iamkathrin verdient. Allerdings habe ich hier auch die kompletten Einnahmen an Rails Girls Summer of Code gespendet. Digital Nomad Manifesto, Awesome Stuff on Amazon und Average Rockstar haben auch bereits Geld eingebracht. Bei Biohacked ging es im ersten Schritt darum die Mailing List auszubauen, was gelungen ist. Hier könnte man wohl auch mit Sponsored Content oder Affiliate Links Geld verdienen, allerdings weiß ich noch nicht, ob ich das will. Ich interessiere mich persönlich sehr für Biohacking und will mehr darüber lernen. Der Newsletter gibt mir die Möglichkeit, das Gelernte mit anderen zu teilen. #iamkathrin, Digital Nomad Manifesto und Average Rockstar sind auf Passive Income angelegt und ich muss mich nicht großartig darum kümmern. Biohacked will ich weiter betreiben und auch Awesome Stuff on Amazon bringt mir Spass und wird wohl noch eine Zeit weiter existieren. Mein letztes Startup ist ein Webinar, also eine “One off” Aktion. Und ja, ich verwende den Startup-Begriff eher großzügig, wie man so schön sagt.

Ist das eigentlich Chiang Mai-Style, einfach mal machen? Im Silicon Valley wird ja immer weniger gebootstrapped, die meisten holen sich erst Geld und sind monatelang in Stealth-Mode, bevor was passiert.

Ich denke man kann Chiang Mai und Silicon Valley nur bedingt vergleichen. Hier in Chiang Mai sind die meisten daran interessiert Online Businesses zu starten, die eine sehr enge Nische bedienen und schnell Geld machen. Diese müssen nicht großartig skalieren und sind so sehr schnell profitabel, wenn man fokussiert daran arbeitet. Um zu skalieren braucht es (meistens) Zeit und Geld im Startup Bereich, da es um sehr innovative Technologien und Business Modelle geht.

Die meisten UnternehmerInnen hier in Chiang Mai basieren ihre Businessideen auf erprobten Methoden wie Affiliate Marketing, Dropshipping, Amazon FBA, Kindle Publishing oder Online Education. Daher ist die Erfolgsquote hier in Chiang Mai wohl höher, der Grad an Innovation allerdings weit niedriger. Also um die Frage zu beantworten: Die meisten UnternehmerInnen hier brauchen schlichtweg kein Investment und die Time to Market ist definitiv erheblich kürzer. Also ja, man könnte sagen, es ist ein bisschen “Chiang Mai Style”, schnell zu launchen. Allerdings bin ich auch stark von der Lean Startup-Methodologie beeinflusst. Das hat sicher auch eine Rolle gespielt.

 Was ist dein größtes Learning aus der Aktion?

Puh. Das ist eine gute Frage. Ich hab einiges gelernt. Das größte Learning? Selbstbewusstsein ist alles. Be as loud and obnoxious as you possibly can. That way there’s no way they can ignore you. They may not like you, but they can’t ignore you.

Klingt jetzt vielleicht hart, aber ich glaube wirklich, dass die Tatsache, dass ich die ganze Woche lang, kein “Second-Guessing” und keine Zweifel zugelassen hab und die einzige Richtung, die es gab vorwärts war, die ganze Aktion zum Erfolg gemacht haben. Ich bin normalerweise eher perfektionistisch veranlagt, drum war es auch für mich persönlich eine Herausforderung, Unperfektion zuzulassen und sich Kritik zu stellen. Das “Oh Gott, was macht sie jetzt schon wieder?!”-Phänomen hat mir wohl im Endeffekt den meisten Traffic gebracht, denke ich.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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