Warum unser Startup scheiterte und was wir daraus gelernt haben

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Gastbeitrag: Orat.io war eines der ersten Startups im Axel Springer Plug’n’Play Accelerator. Wie schwer das Mediengeschäft ist, haben die Gründer bei Fillmore schon vor einigen Monaten erzählt. Co-Founder David Pichsenmeister hat jetzt auf Medium erklärt, wieso das Unternehmen aufgab. Hier die deutsche Fassung. 

Gastbeitrag David Pichsenmeister

Letztes Monat haben wir die Schließung von orat.io bekanntgegeben. Orat.io war eine Diskussionsplattform und ebenso Plugin für Blogger und Onlinemedien.

Bernhard und ich haben unser Unternehmen als Hobby Projekt im Sommer 2013 neben unserem Studium gestartet. Nachdem wir Orat.io für ungefähr ein Jahr als Diskussionsplattform geführt hatten, haben wir beschloßen ein Plugin zu bauen, damit Blogger und Onlinemedien unsere Diskussionen in ihre Webseite integrieren konnten. Im Frühjahr wurden wir dann damit in den Axel Springer Plug and Play Accelerator in Berlin aufgenommen.

Es war eine wirklich spannende und lehrreiche Erfahrung. Ich habe eine jede Menge interessanter Leute getroffen, jede Menge (gutes und auch schlechtes) Feedback bekommen und natürlich auch sehr viel gelernt während ich mein erstes Startup gegründet habe.

Es gibt viele Gründe warum unser Startup nicht funktioniert hat. Ein paar Lehren und mögliche Stolpersteine, die wir daraus gezogen haben, habe ich hier zusammengefasst. All diese Gründe sind natürlich subjektiv und treffen möglicherweise nicht für andere Produkte oder Branchen zu.

  1. Existierendes Produkt ersetzen vs. neues Produkt einführen

Ein existierendes Produkt zu ersetzen ist um einiges schwieriger als ein neues Produkt einzuführen. Das Risiko, ein funktionierendes Produkt oder Plugin zu ersetzen, ist für viele Unternehmen einfach zu hoch. Vorallem, wenn das Unternehmen nicht auf direktem Weg mehr Umsatz davon macht.

Ein Diskussionsplugin, wie das von orat.io, zielt darauf ab, den Umsatz indirekt durch User Engagement und Brand Building zu erhöhen. Unternehmen können daher keine direkte bzw. kurzfristige Steigerung des Umsatzes wahrnehmen.

  1. Niemals Sales und Support unterschätzen

Wir haben die Zeit, die es braucht um unser Produkt zu verkaufen, total unterschätzt. Vorallem wenn es um größere Verlage geht, dauert der Sales Vorgang weit länger als erwartet.

Damit es für unsere Kunden ein geringeres Risiko darstellt, wenn sie ihr bestehendes Kommentarsystem ersetzen, hatten wir eine 30 Tage Testperiode, in der unser Plugin gratis war. Für die meisten Kunden brauchten wir in etwa ein Monat Zeit für Erstgespräche, wobei die meiste Zeit hier verwendet werden musste, um herauszufinden, wer die richtige Ansprechperson dafür ist. Nach einer 30 Tage Testperiode mussten die meisten Firmen die Ergebnisse erst für ein bis zwei Monate evaluieren und bei ihren Projektmanagern ein Budget für unser Plugin beantragen. Damit hatten wir im Schnitt eine Dauer von drei bis vier Monaten für eine erfolgreiche Akquisition, was bei weitem zu lange für ein Startup mit nur 25k Funding und einer damit verbundenen Laufzeit von 6 Monaten ist.

  1. Fokus auf die “richtigen” Kunden

Wenn man ein neues Produkt auf den Markt bringt, ist es wichtig sich zu entscheiden, auf welche Kunden man sich anfangs konzentrieren sollte. In unserem Fall mussten wir uns entscheiden, ob wir mit Bloggern oder Onlinemedien (Verlagen) starten. Da Blogger schwierig zu monetarisieren sind, haben wir uns entschieden uns anfangs auf Verlage zu spezialisieren. Das war eventuell nicht die beste Entscheidung. Blogger sind zwar schwieriger zu monetarisieren, dafür adoptieren sie neue Technologien viel schneller bzw. mit weniger Risiko. Somit hätten wir in einer früheren Phase leichter Traction bekommen können.

  1. Technologie ohne Community ist absolut nichts wert

Man kann die beste und performanteste Software schreiben, jedoch wird es niemanden interessieren, solange es niemand nutzt. Das einzig wichtige ist das Produkt selbst, nicht die Codebase. Man kann das beschissenste Stück Software auf Erden haben, wenn Leute dein Produkt lieben, ist es immer noch ok. Unglücklicherweise funktioniert das nicht in entgegengesetzter Richtung.

Deshalb sollte man anfangs die meiste Zeit aufwenden um mit potenziellen Kunden zu sprechen anstatt die Software zu verbessern oder neue Features zu implementieren, vorallem wenn man in einem Accelerator ist. Diese Kontakte werden nämlich auch in Zukunft der größte Benefit sein, selbst wenn das Startup scheitert.

 Learnings

Keine dieser Gründe soll eine Entschuldigung oder Ausrede darstellen, warum unser Startup gescheitert ist. Viel mehr sind es essentielle Lehren, die wir daraus ziehen.

Dennoch, es war eine großartige Erfahrung, die ich nicht bereue und irgendwann in der Zukunft finde ich definitiv wieder ein neues Projekt, an dem ich arbeiten werde. Einstweilen freue ich mich, dass ich nun die Möglichkeit habe das Startup SmartHires (Y Combinator 2014) als Tech Lead mit meiner “Weisheit” zu unterstützen.

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