Second Life-Gründer Philip Rosedale: “Wir verstehen Virtual Reality noch nicht”

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Mit Second Life schuf Philip Rosedale die erste große virtuelle Welt im Netz. Heute will der Unternehmer mit seinem neuen Startup High Fidelity einen Standard für VR-Hardware etablieren. Bei der Konferenz GigaOm Roadmap verriet Rosedale, was genau er damit vorhat. 

Die Fortsetzung von Second Life

Wer an virtuelle Welten denkt, denkt dabei in erster Linie an Games. Das will Philip Rosedale ändern: “Spiele sind erst der Anfang von Virtual Reality. Wir verstehen Virtual Reality noch nicht”, betont der Second Life-Gründer. Mit High Fidelity will er eine Plattform schaffen, die Situationen des echten Lebens in der erweiterten Realität widerspiegelt. “Es gibt eine magische Zahl zwischen dem, was du siehst und dem was du hörst. Dabei handelt es sich um eine Zehntelsekunde, die unsere Wahrnehmung beeinflusst.”

Weil die technische Infrastruktur bisher zu langsam war, sei die menschliche Auffassung über Kommunikation im Netz, zum Beispiel durch Skype oder Avatare, bislang nicht zufriedenstellend gewesen. “Jetzt haben wir jedoch die Geschwindigkeit, diese Faktoren in einer Zehntelsekunde zu übermitteln”, erklärt Rosedale. “Bei Second Life haben wir gelernt, wie geschäftliche und emotionale Beziehungen in der virtuellen Welt funktionieren. Jetzt können wir die notwendige Hardware dafür einbringen”, führt er weiter aus.

Bei High Fidelity arbeiten deshalb Forscher daran, Gesten und menschliche Züge in die virtuelle Welt zu übertragen. “Dabei braucht es einen ganz anderen Ansatz beim Interface als es derzeit beim Gaming der Fall ist”, so der Geschäftsführer. Während Gadget-Produzenten wie Oculus Rift an der Hardware arbeiten, will High Fidelity die Plattform für solche Geräte sein, um realitätsnahe Interaktionen in der digitalen Welt zu ermöglichen.

Neue Kultur für virtuelles Leben

Rosedale versteht sein Unternehmen als offene Plattform und wird seine Entwicklungen als Open Source-Software anbieten, kündigte er auf der Bühne in San Francisco an. Oculus Rift sowie der Sensorenhersteller Leap Motion zählen zu den ersten Partnern. Mithilfe von 3D-Kameras arbeitet das Team von Rosedale daran, Hand- und Augenbewegungen einer Person in Echtzeit zu erfassen und in die virtuelle Realität zu übersetzen.

Für die virtuelle Realität wünscht sich der Second Life-Gründer auch eine neue Kultur. “Was zum Beispiel ist ein Handschütteln in der Virtual Reality?” stellt er in Frage. Verhaltensmuster würden nicht eins zu eins digitalisiert, sondern neu interpretiert, prognostiziert er.

Als Fan von Science Fiction wünscht sich Rosedale selbst eine Welt wie die in dem Hollywood-Streifen Avatar. Unmöglich ist das für den Geschäftsmann nicht: “Es dauert in der Regel sieben Jahre, bis das, was wir auf der Leinwand sehen, tatsächlich Realität wird.”



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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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