Warum Fillmore? Ein Neuanfang

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Journalismus hat keine Zukunft? Medien machen kein Geld? Zeit für ein neues Medium. 

Während ich diese Zeilen schreibe, kündigt mein ehemaliger Arbeitgeber Sparmaßnahmen an, und eine ausgebildete Journalistin erklärt, warum ihr Berufsfeld in Österreich perspektivenlos ist. Generell versuchen sich die Medienmenschen in meinem Heimatland mit Horrorgeschichten und Todeserklärungen in der Medienbranche zu überbieten.

Nach einem Jahr in San Francisco und intensiver Recherche in der Medienindustrie glaube ich aber mehr denn je: Medien haben Zukunft. Das Informationsbedürfnis der Bürger wird nicht abnehmen, nur weil die Branche bisher digitale Geschäftsfelder nicht begriffen hat.

Wissenstransfer zwischen Silicon Valley und Österreich

Als meine Aufgabe als Korrespondentin sehe ich, das Wissen aus dem Silicon Valley – dem progressivsten Ort der Welt – in meiner Heimat, dem deutschsprachigen Raum, zu vermitteln. Umso frustrierender war für mich bei meinem Umzug nach San Francisco vor einem Jahr, dass heimische Medien die Bedeutung der Revolution, die an der US-Westküste derzeit auf allen Ebenen passiert, nicht begriffen haben. Was freie Journalisten oft beklagen, stimmt: Über niedrig-zweistellige Beträge mit Auftraggebern diskutieren und prekäre Situation gehören zu meinem Alltag.

Eines der wichtigsten Dinge, die ich in den vergangenen Monaten in San Francisco gelernt habe, ist, dass andere nicht smarter sind (oft eher das Gegenteil). Und so beschloss ich, anstatt meine Stories für zweistellige Euro-Summen an österreichische Medien zu verkaufen, mein eigenes Medium aufzubauen.

Junges Wirtschaftsmagazin

Die Idee dafür hatte ich schon vor meinem Umzug in die USA. Mir fehlte seit langem ein junges Wirtschaftsmagazin, das Unternehmertum und Innovation fördert und eine Plattform für die nächste Generation ist. Ich bin eine loyale Leserin Österreichs großer Wirtschaftsmagazine, weiß jedoch, dass ich als junge Frau eine der wenigen Ausnahmen bin.

Was mir in der österreichischen Medienlandschaft abgeht, sind Publikationen wie Fast Company, Inc. und Entrepreneur. Als der Medienmanager Oscar Bronner von New York nach Österreich zurückkehrte, ging ihm die New York Times ab. Deshalb entschied er sich, den Standard zu gründen.

Ähnlich sehe ich meine Herangehensweise: Fillmore – das Magazin für Wirtschaft, Innovation und Lifestyle – ist das Magazin, das ich gerne lesen würde, wenn ich wieder zurück nach Österreich kehre. Denn was viele in Europa nicht begreifen: Silicon Valley hat viel mehr zu bieten als flashige Apps und teure Gadgets. Was die Wirtschaftsregion noch zu bieten hat, werde ich in Zukunft hier vermitteln.

In den nächsten Monaten erscheinen hier in erster Linie Berichte aus den USA. In der zweiten Jahreshälfte konzentriere ich mich auf meine Heimat Österreich, sowie Deutschland und die Schweiz.

Beta-Phase

Fillmore in der heutigen Form ist nicht perfekt. Es ist ein Medium im Beta-Status, das in den nächsten Monaten heranreifen und sich weiterentwickeln wird. Denn das einzig bisher erfolgreiche Geschäftsmodell für Medien ist Experimentieren. Als Gründerin und Herausgeberin ist Fillmore für mich auch die logische berufliche Weiterentwicklung. Neben dem Inhalt öffnet sich Fillmore für neue Vermarktungs- und Monetarisierungswege. Und natürlich bleibe ich nicht die einzige Autorin bei Fillmore.

Das heißt natürlich auch, dass ich eine Startfinanzierung brauche. In der Anfangsphase bootstrappe ich das Digitalmagazin, um Reichweite aufzubauen. In der nächsten Phase investiere ich vor allem in die Ausweitung der Inhalte und Technologie hinter Fillmore.

Was ich von erfolgreichen Unternehmern hier ebenfalls gelernt habe: offen zu kommunizieren, Mut zu Transparenz und keine Angst vorm Scheitern zu haben. Darum blogge ich über den Fortschritt dieses Mediums auch hier. Ich freue mich, wenn Ihr mich auf diesem Weg begleitet.

Warum Fillmore Fillmore heißt, steht übrigens hier.

 



Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

9 Comments

  1. Manuel

    March 5, 2014 at 8:22 pm

    Jawoi 😀 Go Liz Go!

  2. Michael Riha

    March 6, 2014 at 6:48 am

    Ich finde diesen Artikel sehr erfrischend, ehrlich und er zeigt den richtigen Geist mit dieser Situation umzugehen. Weiter so …

  3. Petra Wolkenstein

    March 6, 2014 at 7:06 am

    Elisabeth, was für ein guter Schritt! Ich verfolge Deine Berichterstattung aus dem Silicon Valley seit einer Weile und bin von den Inhalten begeistert, während ich über die Qualität der Berichte und Recherchen in Österreich bis auf ganz wenige Ausnahmen eher frustriert bin. Deswegen freue ich mich über Fillmore, bin mir sicher, dass aus dem Experiment ein Business wird und halte fest die Daumen.

  4. Pingback: 5 Lesetipps für den 6. März - Netzpiloten.de

  5. Ines

    March 6, 2014 at 9:10 am

    Ich kenne einige Österreicher, die ins Ausland gehen, beginnen, die Welt anders zu sehen und daraus einen Mehrwert für ihr Heimatland erstellen wollen. Vielen Dank Elisabeth, dass du das auch machen willst! Ich freue mich auf spannende Artikel! Bitte bleib immer unparteiisch!
    Ines (Stmk)

  6. rolf

    March 6, 2014 at 11:39 am

    Finde ich einen guten Schritt. Verfolge deine Stories bisher schon und bin gespannt wie sich die Platform hier entwickelt. Habe das Experiment abonniert 🙂

  7. Andy Lenz

    March 6, 2014 at 10:37 pm

    yay! go lisa!!!!!!!

  8. Pingback: Mut zum Journalismus | medienrauschen

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