Mein erstes Jahr mit Fillmore: “Ratschläge sollten die geben, die zuhören und Fragen stellen”

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Eine Freundin fragte mich vor drei Jahren einmal “was war die längste Zeit, die du mal im Ausland verbracht hast?”. Ich antwortete: “Vier Wochen!”

Das hat sich nun geändert.

Während ich jetzt hier in San Francisco sitze, ist mehr als ein Jahr vergangen, die ich in den USA verbracht habe. Ich bin als Auslandskorrespondentin da und darf ebenso seit mittlerweile einem Jahr mit Lisa gemeinsam an Fillmore arbeiten.

Außerdem sind wir mittlerweile insgesamt zwei Jahre alt und verdammt, wir leben noch!

Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in den ersten Jahren im Gymnasium einmal etwas über das Silicon Valley lernte und es sich anfühlte, als würden dort viele spannende, aber gleichzeitig unerreichbare Dinge passieren.

Heute reichen zwei, drei Emails aus, um Stripe, Medium oder Facebook zu besuchen. Das ändert auch etwas am eigenen Umgang mit dem Thema und generell, wenn man sieht, was möglich ist. Im Leben.

San Francisco ist nicht nur die Stadt der vielen Möglichkeiten

…sondern auch die der “wann platzt die Blase und gibt es im Moment überhaupt eine?”-Fragen, der Kontakte und der für Neues aufgeschlossenen Menschen. San Francisco ist aber auch die Stadt der hohen Mietpreise, der unzähligen sozialen Gegensätze und der Politik, die ich nicht mitgestalten darf.

Währenddessen sagt der, der gerade vor mir einen Kaffee bestellt: “Er hat 10 Millionen aufgestellt. Serie A.” Diese Unterhaltung ist genau so normal wie, dass ich mir jeden Tag die Zähne putze.

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Seit ich hier bin, muss ich nicht mehr von Anfang an erklären, was Medien heute mit dem Internet machen. Ich wurde auch noch nie gefragt, wie ich mir das denn alles leisten kann und, ob ich mir nicht einen richtigen Job suchen will.

Einen “richtigen” Job hat hier in der Szene sowieso niemand

San Francisco gibt mir Raum zum Denken, zum Austauschen und zum Diskutieren. Das Konzept von Mentoren und Gesprächspartnern, die man einfach so, um beruflichen Rat fragen kann, ist in dieser Stadt angekommen. Und das, obwohl ich immer dachte, dass gerade hier alles so gehetzt ist. Man läuft dem nächsten VC nach, kann dabei trotzdem bei einem Kaffee kurz innehalten.

Meetings haben oft nicht nur einen Anfang, sondern auch eine Endzeit, die man vereinbart. Das ist genau so gut wie, dass es gesellschaftlich akzeptiert ist, die Party um 19 Uhr zu beginnen und um 22 Uhr ins Bett zu gehen.

Es wird zum Alltag, täglich am Twitter Gebäude vorbeizugehen und Korrespondentin sein heißt manchmal auch einfach das Internet lesen. Ja, diesen Teil kann man auch perfekt von Europa aus erledigen.

Dass man mit dem Geographie Buch von Europa aus ein Gefühl dafür bekommt, was hier gerade passiert, wie die Stimmung ist, was wen interessiert und warum etwas passiert, das geht nicht. Das geht nur, wenn man schon mal wirklich in dieser Stadt an der Westküste war.

Angekommen

Genau deshalb bin ich glücklich darüber, meine Zeit nun hier verbringen zu können und Fillmore weiterentwickeln zu können.

Es gab einige Artikel, die ich in San Francisco geschrieben habe, welche im letzten Jahr Aufmerksamkeit bekommen haben. Darunter war etwa, dass der Österreicher Felix Krause bei Twitter anfing und Nik Graf gerade bei Stripe an seinem Projekt arbeiten kann. Außerdem habe ich den österreichischen Außenminister Sebastian Kurz im Silicon Valley interviewt und erklärt wie man Signal, das Tool von Facebook für Journalisten, nutzen kann.

Vor einiger Zeit traf ich mich mit jemandem, die PR für ein größeres Startup hier macht. Sie hörte mir aufmerksam zu, machte sich Notizen, wir hatten gegenseitig Feedback für einander. Sie schickte mir dann Wochen später eine Idee für eine aktuelle Geschichte, die genau zu mir passte und an der ich nun arbeite.

Dabei fiel mir auf wie einfach es sein kann, wenn man zuhören kann. Deshalb sollten auch die Ratschläge geben, die zuhören und Fragen stellen können. Davon profitieren beide Seiten so viel mehr.

In der Zukunft

Ich wünsche mir für die Zukunft noch mehr Geschichten länger recherchieren zu können und für mich persönlich, dass ich meinen Horizont mehr in eine nicht von Startups geprägten Richtung der Stadt erweitern kann. Außerdem will ich mehr Stories über “Diversity and Inclusion”, zwei Themen über die es noch so viel zu sagen gibt, schreiben und auch Unterschiede zwischen dem deutschsprachigen Raum und den USA herausarbeiten.

“Im Ausland”

Bei einem Formular musste ich unlängst ankreuzen, ob ich “Auslandserfahrung” habe.

Endlich habe ich einmal auf einem Formular in ein Schema gepasst und konnte mit gutem Gewissen “Ja” ankreuzen. Ich kann es nur empfehlen mal länger in “einem” Ausland zu sein. Egal, was die anderen sagen und wie unerreichbar und schwer es sich am Anfang anfühlt. Das ist ein bisschen so, wie mit Fillmore.

Viele Ratschläge muss man ignorieren, um das machen zu können, was richtig für einen selbst und hoffentlich auch unsere Leserinnen und Leser ist.

Danke! 🙂

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Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

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