Talking Pasta: “Begonnen hat alles mit einem Foto auf Instagram”

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Ines Häufler hat ein Buch über sprechende Nudeln geschrieben, sie lässt sie Geschichten aus dem täglichen Leben erzählen. Begonnen hat dabei alles mit einem Instagram Foto. Im Interview verrät sie, dass man auch ohne künstlerische Ausbildung Bücher veröffentlichen sollte und wie sie einen Verlag gefunden hat.

Wörter Geschichten erzählen zu lassen ist für Ines Häufler beruflicher Alltag, sie ist seit 2000 freie Drehbuchberaterin in Wien. Als Story Consultant und Autorin ist es für sie ein Kinderspiel eine Mischung aus Hartweizengrieß, Salz und Wasser zum Leben zu erwecken.

Foto: Isabella Kohout

Foto: Isabella Kohout

Du hast ein Buch über Talking Pasta geschrieben, wieso?

Begonnen hat alles mit einem Foto auf Instagram. Ich habe beim Kochen eine Nudel fotografiert, die wie ein Gesicht aussah, das mich anschreit. Genau genommen hat es mich an Travis Bickle aus dem Film Taxi Driver in der berühmten “Are you talkin’ to me?”-Szene erinnert. Als ich das Foto auf Facebook geteilt habe, hat jemand in Anspielung auf mein erstes Cartoon-Buch Talking Cookies kommentiert: “Talking Pasta?”

Und ich habe mir gedacht: Stimmt, wieso eigentlich nicht? Also habe ich ein paar Testfotos gemacht und betextet und es meinem Verlag Müry Salzmann vorgeschlagen. Und einige Monate später habe ich den Vertrag für mein zweites Buch unterschrieben.

Welche Geschichten werden erzählt?

Bei meinen Cartoons geht es darum, was die Pasta erlebt, wenn wir nicht hinschauen. Dabei inszeniere ich meistens kleine Situationen, die wir in unserem menschlichen Alltag auch kennen. Natürlich könnten die Nudeln über die Temperatur des Kochwassers und die Konsistenz der Tomatensauce sprechen. Aber ich finde es interessanter, wenn in den Cartoons Situationen reflektiert werden, die wir alle kennen – Beziehungsprobleme, überfüllte Partys und so weiter. Man erkennt sich wieder, und im Idealfall lacht man dann nicht nur über den Cartoon, sondern manchmal auch ein bisschen über sich selbst.

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Wie hast du einen Verlag gefunden?

Das Konzept für mein erstes Cartoon-Buch Talking Cookies, in dem es um das Alltagsleben von Weihnachtskeksen geht, habe ich an eine Freundin geschickt, die bei einem kleinen Verlag in Salzburg arbeitet, bei Müry Salzmann. Eigentlich ist der Verlag auf hochwertige Architekturbücher spezialisiert, hatte aber damals bereits eine kleine Lifestyle-Abteilung, u.a. mit Kochbüchern. Da passte mein Buch gut dazu. Trotzdem war es für den Verlag und für mich ein Experiment – ich hatte vorher noch nie ein Buch veröffentlich, weder als Romanautorin noch als Cartoonistin. Und der Verlag hatte noch keine Geschenkbücher im Sortiment. In dieser Situation mit jemandem zu arbeiten, den man schon sehr lange kennt, war ein großer Vorteil. Es war wie ein Sicherheitsnetz, das die Angst vor dem “ersten Mal” abgefedert hat. Ein weiterer Vorteil war, dass wir das Konzept des Buchs wirklich gemeinsam entwickelt haben, auf Augenhöhe.

Das wäre vielleicht bei einem sehr großen Verlag, der sehr viele Bücher nach dem selben Schema abwickelt, anders gewesen.

Was passiert, wenn du das Buch öffentlich vorstellst: Liest du vor oder präsentierst du etwas?

Das ist für mich ehrlich gesagt ein kleiner Nachteil der Cartoons: Man kann sie schwer in ein klassisches Lesungsformat verpacken. Das finde ich sehr schade, weil ich enorm gerne vor Publikum lese und spreche. Es gibt manchmal Veranstaltungen, wo Comics oder sogar Cartoons gelesen werden, aber dafür müsste ich ein eigenes Konzepte erarbeiten, sozusagen eine “Bühnenadaption” meiner Bücher, mit Projektionen oder Animationen – das wäre eine tolle Herausforderung. Ich hoffe, ich finde bald die Zeit dafür. In der Zwischenzeit habe ich mir überlegt, bald Drucke einzelner Cartoons in einem Onlineshop zu verkaufen – sie machen sich nämlich ganz toll an Wohnzimmer- und Küchenwänden.

Kannst du kurz beschreiben wie es ist ein eigenes Buch zu veröffentlichen? Welche Herausforderungen gibt es da?

Eine Hürde hatte ich zum Glück nicht zu überwinden: Von dutzenden Verlagen abgewiesen zu werden. Die größte Herausforderung gab es für mich aber schon davor: Ich musste mir zuzutrauen, dass ich ohne klassische künstlerische Ausbildung ein Cartoon-Buch veröffentlichen “darf”. In meinem Kopf war das anfangs etwas, das anderen vorbehalten ist – denen, die das gelernt haben, und denen, die das schon ganz oft gemacht haben. Ich meine, wer bin ich, dass ich einfach daherkomme und ein Buch veröffentlichen will?

Als ich das überwunden hatte, gab es noch eine ganz neue Erfahrung für mich: Während ich in meinem Brotberuf als Filmdramaturgin diejenige bin, die DrehbuchautorInnen Anregungen gibt, wie sie ihre Stoffe aus anderen Perspektiven betrachten und verbessern können, war ich in diesem Fall auf der anderen Seite. Aber durch die langjährige Gesprächserfahrung in meinem Beruf konnte ich gut mit der anfangs ungewohnten Situation umgehen. Außerdem war die Stimmung im Verlag sehr konstruktiv und wertschätzend. Mein Fazit ist, dass von all den vielen Dingen, die ich in meinem Leben schon gemacht habe, die Sache mit den Büchern eines der erfüllendsten und befriedigendsten Erlebnisse war.

Und der Moment, wenn jemand, den ich nicht kenne, das Buch aufschlägt und plötzlich laut loslacht, ist wirklich unbezahlbar.

Ines Häufler: Talking Pasta. Geschichten aus dem Nudeltopf.
48 S., 16 x 10.5 cm mit 3 Postkarten zum Herausreißen, broschiert.
ISBN 978-3-99014-114-4

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About Author

Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

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