10 Dinge, die man wissen sollte, wenn man in San Francisco ein Apartment sucht

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +
Wer sich an der US-Westküste schon einmal häuslich niederlassen wollte, dem ist das Problem wohl vertraut. Hier ein Apartment zu finden ist ein Hürdenlauf über Preisfragen, Nachweis der Kreditwürdigkeit und hässliche Wohnungen.

Als ich zum ersten Mal einen Fuß in die Stadt an der US-Westküste setzte wusste ich schnell, dass ich hier einmal länger bleiben möchte. Das bedeutet aber auch, dass man sich nach einer dauerhaften Unterkunft umsehen muss, nicht zuletzt deshalb, weil Airbnb auf Dauer keine leistbare Alternative ist. Außerdem lebe ich auf Dauer nicht gerne zwischen fremden Möbel- und Kleidungsstücken. Es kostete dann einiges an Überwindung den Schritt zur Wohnungssuche aber tatsächlich zu wagen, vor allem deshalb, weil viele Mietverträge auch eine einjährige Bindung vorschreiben.

Das Konzept des digitalen Nomaden wird spätestens bei der Sehnsucht nach eigenen vier Wänden komplizierter. Wie kompliziert das ist, merke ich vor allem auch deshalb, da ein- bis zweimal pro Woche die immer gleiche Frage, von den unterschiedlichsten Menschen, in mein Postfach flattert.

“Kennst du ein Sofa?”

“Ich komme für zwei Monate nach San Francisco, wie finde ich am besten eine Unterkunft?”, “Ich habe mir die Preise so angeschaut, kennst du eine günstige Alternative oder hat jemand ein Sofa frei?”, sind die beliebten Formulierungen. Abwandlungen in allen Arten inkludiert. Das zeigt schnell wie es der Wohnsituation hier geht. Sie ist mit einem enormen Ansturm von außerhalb von San Francisco konfrontiert, viele die früher in der Stadt gewohnt haben, ziehen hingegen weg.

Wer sich hier einmal die Miete, wenn man den Mietvertrag jetzt beginnt, leisten konnte, der wird sich wohl so schnell nirgends mehr über Mietpreise wundern. Und weil die Sofas alle ausgelastet sind, sorgen hoffentlich folgende zehn Tipps für den Lichtblick am Immobilienmarkt.

Erfolgreich finden

1. Wer erst nach San Francisco zieht, ist klar im Vorteil, wenn er sich für einige Woche um eine Übergangslösung umschaut und dann direkt hier Wohnungen besichtigt. Zuallererst sollte man sich einmal vergewissern, ob man ein Zimmer oder ein ganzes Apartment möchte. 1 Bedroom (also mit einem Schlafzimmer plus Wohnzimmer), 2 Bedroom (zwei Schlafzimmer plus Wohnzimmer) oder ein Studio (ein Zimmer) stehen da dann zur Auswahl. Ein Blick auf Craigslist gibt einem schnell ein Gefühl dafür was man sich leisten kann und was nicht.

2. Auch mit den einzelnen Teilen der Stadt sollte man sich vertraut machen. Fühlt man sich im dicht gedrängten und nervösen Financial District wohl oder mag man es lieber nahe zum Ozean und zum Golden Gate Park im Outer Richmond? Wer das schon mal vorab weiß kann seine Suche gut einschränken. Nicht allzu anspruchsvoll zu sein, ist da aber nicht schlecht.

3. Facebook Gruppen helfen oft dabei Zimmer oder Wohnungen zu finden, die kurzfristig, also für einige Wochen oder Monate zu haben sind. Viele Leute, die versuchen privat Untermieter zu finden, da sie selbst noch an ihren Mietvertrag gebunden sind und sonst teuer draufzahlen würden, inserieren dort. Auch all diejenigen, die ihre Wohnung dafür nicht auf Airbnb stellen können oder wollen findet man da. Außerdem gibt es auch immer wieder Postings von Menschen, die für ein oder zwei Monate ins Ausland gehen, weil sie dort arbeiten oder Urlaub machen, und in der Zeit nicht unnötig Miete zahlen wollen. Vorteil und Nachteil zugleich: Die Wohnungen sind dann meistens möbliert.

4. Der Klassiker und die Anlaufstelle ist sicherlich Craigslist. Dort findet man alle Anzeigen und kann sich einmal in Ruhe alles durchschauen, im Idealfall unterliegt die Wohnung der Rent Control, was versichert, dass die Mietpreise nicht beliebig angehoben werden können. Man ruft bei den einzelnen angegebenen Kontakten zu den Wohnungen an oder vereinbart per Mail einen Termin für eine Besichtigung. Ab dem ersten Moment der Kontaktaufnahme, oder am besten schon beim Inserat selbst, setzt man auf gesunden Menschenverstand. Wirkt alles etwas komisch, ist die Chance groß, dass das auch während dem Mietverhältnis komisch bleibt.

5. Wem das alles zu anstrengend ist, der kann den Weg auch mit zusätzlichen Ausgaben und einem Makler oder einer Maklerin beschreiten. Das bedeutet aber auch, dass man von einer Wohnung zur anderen gebracht wird und sich meist noch am selben Tag entscheiden muss. Wer nochmal weiterschauen möchte zahlt extra. Dass man sich schnell entscheiden muss, dass gilt aber auch bei den Wohnungen, die man selbst auf Craigslist herausgesucht hat. Ein Formular für eine Application, die meist von jedem der in die Wohnung einziehen möchte ausgefüllt werden muss, wird einem noch vor Ort in die Hand gedrückt.

6. Möchte man statt dem Termin vereinbaren einfach mal nur ein Gefühl bekommen und unverbindlich vorbeischauen, dann kann man auch einen der zahlreichen Open Houses Termine wahrnehmen. Diese findet man ebenso auf Craigslist oder man folgt einfach einem auf der Straße aufgestelltem Schild. Oft finden diese an Wochenenden statt, da wohl die meisten Menschen zu dieser Zeit verfügbar sind.

7. Wohnungsbesichtigungen selbst gehen vielfach schneller über die Bühne, als man sich daran erinnern kann, was man eigentlich anschauen oder fragen wollte. Deshalb macht es Sinn, sich vorab eine Liste zu machen. Sind die Fenster, für San Francisco Verhältnisse, einigermaßen dicht? Ist der Boden gerade oder bewegt er sich wellenförmig auf und ab? Funktioniert im Badezimmer alles? Ist die Wohnung in einem der unteren Stockwerke mit Blick auf eine vielbefahrene Straße oder auf eine Straße, in der Fahrzeuge wie Straßenkehrung oder andere nachts Lärm machen werden? Gibt es eine funktionierende Heizung? Darf man Haustiere haben? Hat das Haus eine Waschmaschine und einen Trockner, die man benutzen kann? Gibt es einen Storageraum? Die Liste kann natürlich endlos ergänzt werden, wobei man wohl viel mehr in einer Besichtigung nicht unterbekommt.

8. Es macht durchaus Sinn alle Unterlagen schon vorab zusammenzusuchen, die man dann für eine Bewerbung benötigt. Wer keine Social Security Number oder eine Kreditwürdigkeit in den USA aufgebaut hat, sollte sich um andere Dinge wie ein Schreiben des Arbeitgebers, Einkommensnachweise und so viele Zahlen und Fakten wie möglich bemühen. Man kann wohl nie zu viel in den Unterlagen haben.

9. Es gibt viele, die in ihrem Familienhaus eine Etage vermieten, weil sie entweder nicht mehr all den Platz brauchen oder es sich nicht leisten können, alles alleine zu benutzen. Ich würde da immer vorsichtig sein, weil man quasi privat mietet und bei einem Vermieter, der selbst nicht an den Aufwand gewöhnt ist, auf Probleme bei Reparaturen oder anderen Maßnahmen stößt. Auch hier empfiehlt sich das Kennenlernen bevor es zum Mietvertrag geht.

10. Wer in San Francisco ein Apartment sucht, wird viele Sätze mit “für San Francisco ist das vollkommen in Ordnung” und mit “für San Francisco ist es eigentlich gar nicht so laut” beginnen. Ja, damit ist man nicht alleine und wer nicht in andere Teile der Bay Area weit weit weg von San Francisco zieht, dem wird es da nicht anders ergehen.

Und nicht vergessen, die schönsten Ecken der Stadt sind immer hinter den Häuser, da wo die bunten Vögel und grünen Gärten mit alten Bäumen zuhause sind. Man muss nur einen Blick dahinter wagen, um sie aufzuspüren. Im Idealfall blickt man dann auch aus der Wohnung auf diese versteckte Welt.

 

Share.

About Author

Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

Leave A Reply