Österreichisches Startup lässt Schals Geschichten erzählen

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Storytelling einmal anders. Andra Slaats und Iulia Mugescu gründeten 2014 das Label Younited Cultures in Wien. Sie wollen mit Hilfe von Schals ganz persönliche Geschichten von Migrantinnen und Migranten erzählen.

Individuelle Geschichten, die dabei helfen sollen Kulturen näher zusammenzuführen, ganz wie es auch schon der Labelname ankündigt. Wir haben uns mit Andra Slaats näher darüber unterhalten.

Bitte beschreibe Younited Cultures und seine Entstehungsgeschichte!

Wir sind zwei in Wien lebende Rumäninnen und haben uns zum Ziel gesetzt, Erfolgsgeschichten von MigrantInnen auf einer kreativen Art, über Schals, darzustellen. Wir erzählen Geschichten von Toleranz, Beharrlichkeit, Erfolgen und Misserfolgen, Ehrgeiz und Durchbrüchen.

Als ich nach Österreich kam, wurde ich von einer tollen Clique von Österreichern sehr gut aufgenommen und ich habe mich immer sehr wohl gefühlt. Der Wunsch hier zu bleiben war sehr groß. Ich habe das aber in meinem Beruf anders erlebt. Bis dahin wusste ich nicht was Mobbing bedeutet oder was ein Vorurteil war. Ich habe es aber an meiner eigenen Haut erlebt. Und mit den Jahren habe ich verstanden, dass es kein isolierter Fall war. Dann habe ich mir die Frage gestellt, wieso ist das so? Wir sind mit dieser Eigenschaft nicht geboren sondern dies entwickelt sich durch negative Einflüsse und unterschiedliche Lebenserfahrungen. Daher glaube ich, dass wenn wir mehr positives Bewusstsein dafür schaffen und mehr positive Vorbilder (Role Model) der Gesellschaft vorstellen, zu einem Umdenken beitragen können.

Immerhin ein von drei Unternehmen ist von Menschen mit Migrationshintergrund gegründet. Die Wahrnehmung, dass wir zur Wirtschaft und zur Gesellschaft beitragen ist nicht ganz da. Öfters stellen uns manche Zeitschriften im falschen Licht dar.

Der Bedarf mehr positive Geschichten und mehr Beispiele von Menschen mit Migrationshintergrund an die Öffentlichkeit zu bringen ist von uns sehr hoch. Oft ist es so, dass ausländische Namen und Korruption sehr eng zusammen gebracht werden. Damit werden einfach die falschen Signale gesendet.

Aus dem Wunsch dagegen etwas zu unternehmen ist Younited Cultures entstanden. Younited Cultures ist ein soziales Unternehmen mit dem Ziel Erfolgsgeschichten von MigrantInnen über Produkte zu erzählen. Wir wollen keine Politik treiben sondern uns gesellschaftlich engagieren die Schönheit der Kulturen aus einer kreativen Perspektive vorzustellen.

Ich wollte Younited Cultures nicht alleine aufbauen. Ich wollte diesen Weg nicht alleine gehen. Ich wollte mit jemandem die guten und aufregenden, aber auch die schwierigeren Momente des Unternehmertums teilen. So habe ich Iulia Mugescu in Impact Hub Vienna kennengelernt und mit ihr die Idee beim Social Impact Start Wettbewerb gepitcht und auch gewonnen. Von dem Moment an haben wir Younited Cultures gemeinsam entwickelt.

Bild: Younited Cultures

Bild: Younited Cultures

Ihr wollt Erfolgsgeschichten von Migrantinnen und Migranten in die österreichische Gesellschaft tragen. Wortwörtlich. Wie genau läuft das ab?

Die Muster der Schals sind inspiriert aus den Lebenserfahrungen ausgewählter Migrantinnen und Migranten und werden gemeinsam mit lokalen Designern für sie individuell entworfen. Wir kommunizieren über ihre Werte, Leistungen und Beiträge zur Wirtschaft und Gesellschaft. Der Prozess läuft so ab: Das Vorbilder wird sich mit dem/der DesignerIn treffen, sie tauschen sich aus und gemeinsam arbeiten sie an einem Entwurf. Nehmen wir zum Beispiel Adela Kuligas Geschichte.

Adela durfte mitbestimmen welche Farben und Materialien verwendet werden sollen. Gina Drewes, ihre Designerin, hat den Schal nach ihren Vorstellungen entworfen, wir haben anschließend einen Prototyp in Innsbruck machen lassen. Wenn er ihr gefällt, machen wir 100 Stück davon. Und so war es auch.

Wir bestehen auf lokale Produktion, sowie hochwertige und limitierte Herstellung. Damit begründen wir auch den relativ hohen Preis (Adelas Schal ist aus 100 % Seide, made in Austria, limitiert, nachhaltig und erzählt eine Geschichte, er kostet €139,-). Mit dem Erwerb investieren wir in Aktivitäten, die die Integration anderer fördert: Sei es via Workshops zum Thema “von Idee zum Business Plan” oder “Motivation für MigrantInnen, die keinen Job finden” usw. Die Vorbilder sind auch bereit als Mentoren andere zu unterstützen, sowie gemeinsam bei den Workshops mitzuwirken. Wer unser Label trägt, fördert Kulturen, wird Teil einer Bewegung und unterstützt uns dabei Younited Cultures als Symbol der Vielfalt zu machen – also nur zu: Trage eine Geschichte! Sei dabei!

Welche Geschichten haben die Schals bisher erzählt?

Bild: Younited Cultures

Bild: Photography and Creative Direction by Felix Abrudan

Adela Kuliga aus Polen

Adela Kuliga Gründerin von Networking Youth Career. Ihrem Herz folgend kam sie nach Wien – ohne jegliche Karriereperspektiven und Deutschkenntnisse. In unterschiedlichen Studentenjobs (Putzfrau, Babysitten) lernte sie nach und nach nicht nur die Sprache, sondern auch, was es in Österreich braucht um als Migrantin erfolgreich zu sein.

Heute organisiert Adela, MiA Award nominierte, mit ihrem Unternehmen Networking Youth Career Karrieremessen für Menschen mit Migrationshintergrund und ist ein integrierter und aktiver Teil der Wiener Gesellschaft. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt ein Umfeld für MigrantInnen zu erschaffen, dass diese dabei unterstützt ihre Karriereziele schneller und einfacher zu realisieren, als es ihr selbst möglich war.

VLAD GOZMAN aus Rumänien (Founder TedX Vienna)

Nach einem erfolgreichen unternehmerischen Start in Rumänien beschloss er, seinen Horizont zu erweitern und sich mehr Möglichkeiten zu schaffen. Aufgrund der aktiven lokalen Gründerszene, traf er die Entscheidung nach Wien zu ziehen. Er nutzt seine offene Persönlichkeit, gepaart mit Neugierde und Netzwerkfähigkeit um eine lebendige Gemeinschaft um sich zu sammeln und sich in seiner neuen Heimat zu integrieren.

Heute ist Vlad mehrfacher Unternehmer und Teil der Wiener Gesellschaft. Er trägt nicht nur den Erfolg seiner eigenen Unternehmen, sondern unterstützt auch anderer Netzwerke und Non-Profit-Initiativen. Sein Wunsch ist es, Menschen in Kontakt mit neuen Ideen zu bringen und ihnen dadurch zu helfen, ihre Lebensweise zu hinterfragen.

Vlads Geschichte hat die Designerin Stephanie Klaura gemeinsam mit ihm entworfen.

Mit diesen zwei Geschichten haben wir begonnen. Es ist uns wichtig für den Start unser Konzept auf dem Markt zu testen, daher haben wir unser Eigenkapital und einen Gründerkredit in diese zwei Erstgeschichten investiert- 200 Schals, zwei Geschichten.

Bild: Younited Cultures

Bild: Photography and Creative Direction by Felix Abrudan

Was ist bei der Produktion der Schals wichtig?

Es ist uns sehr wichtig, dass es lokal produziert wird, sowie zu wissen wie die Mitarbeiter behandelt werden und unter welchen Konditionen sie arbeiten. Daher haben wir die Fabrik in Innsbruck selber besichtigt. Adelas Schal wurde digital bedruckt. Es war ziemlich schwierig jemanden zu finden, der auf einer Größe von 160cm Digitalbedruckung macht. Die Textilindustrie in Österreich ist praktisch inexistent. Ich hoffe das wird sich ändern.

Vlads Schal wurde auf Baumwolle mit Siebdruck in Wien bedruckt. Wir haben ein Startup gefunden, FabricFabrik, mit dem wir sehr gerne arbeiten. Die Inhaberin Stephanie Klaura ist gleichzeitig auch Designerin und daher haben wir sie gleich auch für den Schal von Vlad ausgesucht. Es hat sich gut ergeben. In diesem Prozess war uns auch wichtig, dass wir Synergien aufbauen und unsere Netzwerke verbreiten. Wir freuen uns sehr wenn wir mit Startups arbeiten können. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Also wir müssen uns gegenseitig unterstützen. Das tun wir gerne. Es war toll mit FabricFabrik zu kooperieren. Wir sind gut befreundet jetzt und wir empfehlen sie immer weiter. Und sie machen das Gleiche für uns.

Wie kommt das Projekt in Österreich an?

Wir sind noch ganz am Anfang. Das Feedback innerhalb unserer Netzwerke ist aber sehr positiv. Der kreative Ansatz sich mit diesem Thema zu beschäftigen gefällt allen sehr: Integration, Storytelling  und Schals – kreativ, interessant, anders

Unsere Kunden müssen wir noch davon überzeugen. Unsere Zielgruppe muss von uns auch erfahren, also müssen wir außerhalb unserer Netzwerken gehen und unsere Botschaft verbreiten und kommunizieren. Dabei hoffen wir auf Unterstützung der Journalisten und Magazine. Leider sind sie sehr schwer zu erreichen. Aber wir geben nicht auf. Wir schaffen es. Man muss die Vernetzungen ausnutzen und Gott sei Dank, davon haben wir sehr viele.

Es hilft wahnsinnig viel gut vernetzt zu sein.

Unsere Schals kann man auf unserer Homepage kaufen und im The Vienna Globe Shop in der Zieglergasse 65.

Gibt es schon Pläne für die Zukunft?

Wir möchten sechs bis acht mehr Geschichten erzählen. Am Ende des Jahres stellen wir uns ein ganz tolles, aufregendes Event mit einem Catwalk mit unseren Storytellern und ihren Designs vor. Es ist nichts schöner als deine Geschichte auf einer Bühne entfalten zu können. Wie das entstehen könnte, daran arbeiten wir noch. Eines kann ich aber schon sagen: An verrückten Ideen wird es auf jeden Fall nicht mangeln. Iulia, Mitgründerin von YC, hat großartige Ideen und zusammen sind wir sehr kreativ.

Ein anderes Ziel ist es auch unser eigenes Atelier zu haben, wo wir die Interviews durchführen können, Storytelling aufbauen, sowie die Designs, um alles an einem Ort entwickeln zu können. Das wäre super.

Langfristig wollen wir Younited Cultures als Symbol für Vielfalt und Integration etablieren.

Unser Slogan: Stories worth telling. Stories worth wearing.

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Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

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