Warum das Einfrieren von Eizellen ein sinnvoller Mitarbeiter-Benefit ist

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Kommentar: Facebook und Apple unterstützen Frauen bei Spätschwangerschaften finanziell – nur eine von vielen Maßnahmen, um Karriere und Familie auszugleichen.

Familienplanung hinausschieben

Die vielen Benefits und Goodies für Mitarbeiter von Silicon Valley-Riesen faszinieren die Europäer. Das neue Angebot zur Mitarbeitermotivation scheint aber zu polarisieren: Facebook und Apple zahlen Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen. So sollen die Frauen im Unternehmen sich auf die Karriere konzentrieren und eine Schwangerschaft später planen können. Das Signal, das damit initial (in den Medien) vermittelt wird: Frauen sollen so lang wie möglich im Unternehmen bleiben und nicht durch Schwangerschaften abhanden kommen. Bei genauerer Betrachtung macht das Vorsorgeprogramm allerding Sinn.

Spätschwangerschaften und andere Behandlungen wie künstliche Befruchtung sind in den USA nicht mehr ein so großes Tabuthema wie im deutschsprachigen Raum. Bei Gesprächen unter Frauen kommt beim Thema Familienplanung das Einfrieren von Eizellen als Option immer wieder auf. Wer älter als 30 ist und keinen Partner hat, oder sich noch nicht bereit für ein Kind fühlt, zieht diese Option ernsthaft in Erwägung. Nur sind die Behandlungen teuer. Rund 20.000 US-Dollar steuern Facebook und Apple ihren Mitarbeiterinnen dafür bei.

Nachfrage von Mitarbeiterinnen

Zudem sind Tim Cook und Mark Zuckerberg wohl nicht eines Tages aufgewacht und haben das Verschieben der Schwangerschaften als tollen Benefit für ihre Kolleginnen entdeckt. Wie Facebook informiert, gab es bereits verstärkte Nachfrage, die Behandlung zu unterstützen, weshalb das Unternehmen die Förderung zu Beginn des Jahres einführte.

Außerdem ist das Aufschieben der Schwangerschaft nicht die einzige finanzielle Unterstützung, die die Tech-Riesen bei der Familienplanung anbieten. Beide steuern auch für andere Fruchtbarkeitsbehandlungen und Adoptionen Geld bei. Facebook drückt jungen Eltern außerdem 4.000 Dollar “Baby Cash” in die Hand und schickt sie vier Monate lang in bezahlten Urlaub.

Den Unternehmen vorzuwerfen, Frauen mit der Initiative von der Familienplanung abzuhalten, ist deshalb falsch. Vielmehr trägt die Diskussion darüber zur Enttabuisierung von Eizell-Vorsorge und anderen Maßnahmen bei. Wer sich über die finanzielle Unterstützung des Einfrierens von Eizellen empört, weiß nicht, wie viele Frauen dies in Erwägung ziehen – aber oft nicht die finanziellen Mitteln dafür haben. Auch wenn die Behandlung umstritten ist und ihre Erfolgsraten noch niedrig, so ist es eine persönliche Entscheidung (mehr dazu hier). Für Befürworter ist die Option auch ein Beitrag zur Chancengleichheit, da Frauen nicht mehr von der biologischen Uhr abhängig sind.

Nicht zuletzt will die Branche mehr Frauen anziehen. Bei jenen, die das als Option für ihre Familienplanung sehen, könnte die Förderung ein Argument für einen Arbeitgeber sein. Und unter all den Benefits – unlimitierte Snacks, Spaßprogrammen und hübsch dekorierten Arbeitsplätzen – ist die gezielte Familienplanung eine der sinnvollsten Leistungen, die die großen Tech-Arbeitgeber eingeführt haben.


Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.