Auf der Suche nach Frauen in der österreichischen Startup-Szene

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Nur zwölf Prozent der heimischen Startup-Community sind weiblich. Um das zu ändern, ist bisher wenig passiert. 

“Im Anbetracht des Weltfrauentags ist es uns auch ein Anliegen, weibliche Unternehmerinnen zu fördern”, eröffnete US-Botschafterin am Montag die Panel-Diskussion über Venture Capital. Mit zwei Frauen am Podium war der Anteil im Gegensatz zu anderen Veranstaltungen auch bemerkenswert hoch. Nachdem US-Investorin Monica Dodi betonte, bevorzugt in weiblich geführte Startups zu investieren, wurde es jedoch ruhig um das Thema. Es geht ums Geld, Politik und Teams, aber nicht um Diversität.

Ins Silicon Valley gehen – ohne Frauen

Die österreichische Startup-Szene ist zu 88 Prozent männlich, zeigt der von SpeedInvest veröffentlichte “Austrian Startup Report” von November 2013. Frauen sind heute zwar schon sichtbarer, Gründerinnen gehören trotzdem immer noch zur Ausnahme. Ein bezeichnendes Beispiel dafür ist das “Go Silicon Valley“-Programm, bei dem die Wirtschaftskammer Österreich Startups für drei Monate nach Kalifornien schickt. Seit dem Start im Jahr 2009 reisten 85 Startup-Mitarbeiter ins Valley, nur zwei davon waren Frauen.

Auf die Frage, warum das so ist, antwortet Programmleiter Rafael Rasinger erst einmal euphorisch: “Die zwei Frauen waren in Führungspositionen und werden jetzt überproportional zu Veranstaltungen geschickt, um sie sichtbar zu machen.” Der geringe Anteil an weiblichen Bewerbern scheint der Außenwirtschaft Austria jedoch bisher nicht als Problem bewusst gewesen zu sein. Rasinger gibt sich auf die Frage nach weiteren Maßnahmen eher ratlos und betont einmal mehr, dass ja schon zwei Frauen dabei waren. Es scheitere jedenfalls nicht an der Entscheidung der Jury, denn es bewerben sich laut dem Programmleiter auch wenige Frauen. Zumindest nehmen in diesem Jahr mit den Startups Anyline und Rudy Games zwei weitere Frauen an “Go Silicon Valley” teil.

Diversität bei Speedinvest und i5invest

Selbstkritischer zeigt sich VC Marie Hélène Ametsreiter. Auf die Frage, was SpeedInvest konkret für die Förderung von Frauen unternimmt, gibt sie zu: “Es ist noch zu wenig passiert. Und ich sehe es als eine meiner Aufgaben, das zu ändern”. Ametsreiter ist erst seit Anfang des Jahres offiziell Partnerin des Startup-Kapitalgebers. Auch i5invest-CEO Herwig Springer ist neu in seiner Rolle, kämpft mit der Diversitätsfrage jedoch mehr als seine Branchenkollegin: “Wir stellen derzeit ein neues Team zusammen und achten natürlich darauf, viele verschiedene Hintergründe und Perspektiven zu bekommen.”

Bei Gesprächen mit Gründerinnen und Mitarbeiterinnen von Startups hört man ebenfalls Ratlosigkeit. Dass Frauen sich noch immer zu wenig zutrauen, weil sie so sozialisiert wurden, wird oft als Grund genannt. Andere finden, dass  “Testosteron-geladene” Veranstaltungen abschrecken und die Szene von außen wie ein “Boys Club” wirkt. In Deutschland, wo der Frauenanteil ähnlich gering ist, sagen Unternehmerinnen ähnliches. Die “klassische Rollenverteilung” und “fehlendes Selbstbewusstsein” werden gegenüber dem NDR als Gründe aufgezählt.

Eigeninitiative

Immerhin warten die weiblichen Vertreterinnen der Startup-Szene nicht darauf, gefördert zu werden, sondern gründen ihre eigenen Initiativen. Mit Girls’n’Code bauen Larisa Stanescu und Eva Krizsanits etwa eine Plattform mit Tutorials für Web- und Design-Themen auf. Mit den Women Tech Makers  kam vergangenes Wochenende außerdem eine globale Event-Reihe nach Wien. Das Frauennetzwerk Digitalista vernetzt Digital-Expertinnen und zählt auch Gründerinnen zu ihren Mitgliedern.*

Investorin Dodi warnt jedenfalls davor, die Frauen zu ignorieren, denn: “Sie sind eine wichtige Zielgruppe, nicht nur als Unternehmerinnen, sondern auch aus Konsumentensicht. Viele Frauen sind mit den Produkten am Markt unzufrieden, weil sie nicht aus weiblicher Sicht gedacht werden. Hier herrscht großes Potenzial”.

Was meint Ihr, wie können mehr Frauen für das Unternehmertum und die Startup-Branche gewonnen werden?

Gründerinnen auf Fillmore

Bianca Weishäupl, Twyxt (San Francisco)

Andra Slaats und Iulia Mugescu , Younited Cultures (Wien)

Gründerinnen von Pop-up Shops in Wien

Debbie Sterling, GoldieBlox (San Francisco)

Carly Gloge, Ubooly (Boulder, Colorado)

Stefanie Feder, Projectroom (Wien/Berlin)

Teresa Hammerl, Fillmore (Wien/San Francisco)

*Disclosure: Die Autorin ist Vorstandsmitglied des Vereins Digitalista.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

7 Comments

  1. Ohne es mit Bestimmtheit zu wissen, schon alleine weil ich auf der anderen Seite eines Tisches bin, der eigentlich Rund sein sollte, finde ich, dass die Vorbildwirkung einer erfolgreichen Frau mehr Effekt auf den Mut, die Inspiration und das Durchsetzungsvermögen jeder andere Frau haben wird, als es eine Kritik am System, ein Aufzeigen der Lücken, oder ein Angriff auf jene die etwas unternehmen sollten, je kann. Und rein als Disclaimer muss ich hier noch sagen: Ich bitte um nicht weniger Berichterstattung, nicht um das Verdrängen des Themas und erkenne dessen Wichtigkeit zu voller Kraft an. Keine Frage, zumindest nicht für mich. Aber als Mann ist dies ein Thema, wo ich bemerke, dass viele andere sich nicht mehr kommentieren trauen. Aus Angst im Versehen in einen Shitstorm zu treten. So wird das Thema einseitig, zu viele bleiben still, obwohl sie eine Meinung hätten (oder gute Ideen vielleicht!). Und das finde ich halt voll Schade. Vermehrt stellen Artikel zu diesem Thema den Konflikt und auch den Adressaten bereits zur Anklage in den Raum. Es bleibt nur das Schuldeingeständnis, oder die Verleugnung. Was ich mir wünschen würde, nur als einer von ganz vielen die das vielleicht komplett anders sehen, ist ein stärkerer Fokus auf jene Frauen und Vorbilder, die den Weg aufzeigen. Ich find Hedy Lamarr oder Gerlinde Kaltenbrunner cool, aber ich find auch Katharina Klausberger cool. Mich beeindruckt Tina Fey oder Amy Poehler genau wie Judith Denkmayr. Selbst wenn ich blind wäre, würde mich die Arbeitsmotivation und der Tatendrang von Scarlett Johansson genauso beeindrucken, wie der von Anne Wojcicki. Ob das jetzt Frauen sind oder nicht, macht für mich keinen Unterschied. Die Inspiration die diese Personen transportieren, das fasziniert mich und treibt mich voran. Und wäre ich eine Frau, vermutlich genauso, wenn nicht noch ein Stückchen mehr. Vorbilder. Die Liste am Schluss des Artikels ist wunderbar und geht genau in die richtige Richtung.

    • @Roman Danke für deine ausführliche Stellungnahme. Seit dem Start von Fillmore berichte ich immer wieder über Frauen, ohne dabei ihr Geschlecht in den Vordergrund zu stellen – mit einer mehr oder weniger hidden agenda 🙂 . Ich stimme dir total zu, dass die Vorbildwirkung sehr wichtig und effektiv ist. Das erklärt aber auch, warum sich Frauen weniger von Startup-Programmen angesprochen fühlen, wenn auf den Fotos ein Haufen Männer sich auf die Schulter klopfen. Und über weibliche Gründerinnen und deren Minderheit wird international viel geschrieben, in Österreich aber kaum und insgesamt zu wenig diskutiert. Es gibt natürlich sowohl Frauen als auch Männer, die das ändern wollen und jetzt schon aktiv unterstützen. Was fehlt, ist das Commitment von Institutionen wie eben die Wirtschaftskammer oder den VC-Firmen.

      Wir werden natürlich weiterhin über coole Vorbilder berichten. Interview mit Tina Fey oder Amy Poehler? Yes, please! Pun intended.

  2. Gerald Bäck on

    Ich habe dazu keine Lösung, auch weil ich denke, dass das Problem schon im Kindergarten beginnt, wo Mädchen sehr früh in die Barbie oder Prinzessinnen Rolle gedrängt werden. Das setzt sich dann natürlich bei der Studien- und Berufswahl fort. Trotzdem schön zu sehen, dass sich österreichische Investoren da Gedanken machen.

    Als wir mit unserem Startup bei größeren Londoner VCs pitchten, hatten wir auch einen Termin beim damals einzigen Londoner VC, der von einer Frau geleitet wurde. Wir erhielten im Laufe dieser Woche mindestens ein dutzend Warnungen, dass die Dame ein bisschen weird sei. Es stellte sich aber heraus, sie hatte so ziemlich die selben Fragen und Einwände, wie ihre männlichen Kollegen und wir hatten einen sehr konstruktiven Termin mit ihr. Bei den unzähligen Pitches, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, habe ich übrigens eine Menge komischer männlicher VCs getroffen. Vor keinem wurde ich vorher gewarnt…..

    • also mmn geht es in diesem artikel eher um frauen in der österreichischen startup szene und nicht dezidiert um frauen in der it 😉 finde deine 2 cents durchaus interessant und solang sie für dich funktionieren, super! ich persönlich würde mich freuen, wenn diversität in allen branchen einfach selbstverständlich wäre. und da kann man ruhig ein wenig – sinnvoll und wie von dir beschrieben in einem “konstruktiven” miteinander” – mehr tun.

  3. Liebe Elisabeth! Ich habe Fillmore schon seit Anfang verfolgt und liebe dass es endlich einen StartUp/Business Blog gibt mit weiblicher Leitung. Dieses Thema liegt mir sehr nah weil ich seit 4 Jahren an mein eigenes Unternehmen arbeite und bemerke dass es trotz Erfolg oft einer sehr einsamer Weg ist.

    Ich habe mit 26 mein Unternehmen gegründet, mit 27 die Departure Pioneer Förderung bekommen, 3 Jahre Lange alleine auf Fachmessen nach England gefahren und die Logistik/Versand/PR/Marketing gemacht. Seit einem Jahr betreibe ich auch einen Youtube Channel die unter die Top 30 grössten Channels in Österreich geworden ist (bin zufälligerweise bei Tastemade Studios unter Vertrag, woruber es ein Bericht auf Fillmore gab :D)

    Durch Gespräche mit Freudinnen ist es aufgefallen dass viele Frauen nur einen sehr begrenzten Zeitfenster haben einen Startup zu gründen. Man wird anfang/mitte 20 fertig mit dem Studium, dann ein Paar Jahren Freiheit/Berufserfahrung und ende 20/anfang 30 kommen schon die Themen Heirat/Kind/Familie. Für viele ist es verständlicherweise wichtiger einen guten Job mit Karenzversicherung zu haben als 4-5 Jahren mit Schulden und ohne Erfolgsgarantie an einen Businesskonzept zu arbeiten.

    Ich hatte auch den Glück dass ich in England studierte, und schon mit 19 neben dem Studium angefangen habe zu arbeiten. In dem Bereich Kunst & Design ist es auch viel leichter für junge Leuten quer einzusteigen als Industrien wo man einen fertigen Ausbildung braucht. Ohne diese frühzeitigen Berufserfahrung & Arbeitskontakten hätte ich auch nicht mit 26 einen Unternehmen grunden können.

    Es wird Mädchen nicht bewusst gemacht dass Selbständigkeit eine tolle Karriereoption ist ABER besonders für Frauen muss man so fruh wie möglich anfangen. Deswegen habe ich vorgenommen durch meinen Youtube Channel Mädchen über Business und Selbständigkeit zu erzählen in der Hoffnung dass ich einige ermutigen kann Unternehmerinnen zu werden :).

    • Liebe Joanna,

      Danke für deinen Beitrag! Ich bin vor einiger Zeit auf deinen YouTube-Channel gestoßen und habe dich seither am Radar, wollte mich auch mal bei dir melden. Du hast recht, mir hat in der Schule und im Studium niemand gesagt, dass ich mal Chefredakteurin sein könnte oder sogar mein eigenes Unternehmen gründen könnte. Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns!

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