Twyxt-CEO Bianca Loew: Diese Frau rettet Ehen

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +

Twyxt-Gründerin und CEO Bianca Loew hat eine App geschaffen, mit der Paare besser kommunizieren sollen. Seit fast zwei Jahren pendelt sie zwischen San Francisco und Mexico City,  wo sie acht Jahre lang die Online-Branchenvertretung IAB Mexiko (Internet Advertising Bureau) aufbaute. Mit Fillmore sprach die gebürtige Deutsche über ihre Karriere, die mexikanische Arbeitskultur und das Scheitern.

Von Deutschland über Mexiko nach Silicon Valley, wie ist das passiert?

Meine Faszination für Mexiko begann schon früh. Mit 19 Jahren flog ich das erste Mal für einige Monate rüber, um Spanisch zu lernen. Seither zog es mich immer zurück. In Deutschland begann ich dann International Studies und Global Management zu studieren, und für ein Praktikum ging ich wieder nach Mexiko. Ich bin um 1999 und 2000 in den Dot.com-Boom gelandet und habe als Online Marketing-Managerin für Submarino gearbeitet, das war damals das Amazon Mexikos. Dann habe ich geholfen, bbmundo.com zu launchen, das Babyportal  der “mexikanischen Oprah Winfrey”.

Dann bin ich wieder zurück nach Deutschland, um das Studium abzuschließen. Dort hatte ich eigentlich schon ein Jobangebot, bin aber wieder für ein Projekt nach Mexiko gegangen. Und dann bin ich hängengeblieben.

Haben Sie sich schon immer für die Internetbranche interessiert?

Während meine Kommilitonen bei großen Konzernen arbeiten wollten, wollte ich für Yahoo arbeiten. Das hätte auch fast geklappt, aber das Timing hat nicht gepasst.

Wie kamen Sie dann zum IAB?

Ich wurde 2004 von MSN und Yahoo gefragt, ob ich die Interessensvertretung der Online-Werbebranche in Mexiko aufbauen will. Zu der Zeit gab es keine Standards, keine Organisation und Werbetreibende wussten nichts mit Online anzufangen. Das Ganze war wie ein Startup und begann in meiner Wohnung, wir haben Strukturen geschaffen, Agenturen unterstützt, Studien veröffentlicht und uns mit anderen IAB-Ländervertretungen vernetzt.

Wieso haben Sie entschlossen, Ihr eigenes Unternehmen zu gründen?

Beim IAB habe ich Unternehmen immer dabei beobachtet, wie sie Neues entwickelt und geschaffen haben. Ich wusste, irgendwann werde ich das auch machen. Ich wollte aber nicht eine eigene Agentur gründen und mit meinen ehemaligen Kollegen konkurrieren.

2011 war mein Bruder Roman auf Urlaub zu Besuch und wir haben über verschiedenste Ideen gesprochen. Irgendwann fiel uns die Idee für eine Beziehungs-App ein. Wir recherchierten, was das Netz bisher für Beziehungen anbietet, aber damals gab es nicht viel. Das hat uns dazu bewogen, es zu probieren. Wir sind dann nach Silicon Valley gereist und haben die Idee einigen Bekannten vorgestellt. Beim dritten Gespräch bot uns unser Kontakt an, die Entwicklung der App zu finanzieren. Von da an wurde es ernst. Ende 2012 sind wir dann nach San Francisco gezogen.

Sie haben aus Deutschland, Mexiko und Silicon Valley drei sehr unterschiedliche Arbeitskulturen kennengelernt. Was haben Sie davon mitgenommen?

Als Deutsche gilt man immer als pünktlich und organisiert. In Mexiko habe ich mir die Pünktlichkeit abgewöhnt – es ist auch nicht lustig, wenn du immer allein bei Meetings sitzt. Die Mexikaner machen Geschäfte auf einer sehr persönlichen Ebene. 80 Prozent eines Treffens beziehen sich meist auf persönliche Themen, die restlichen 20 Prozent wird dann das Geschäft abgeschlossen. Wenn die Chemie nicht stimmt, kommt meistens auch kein Geschäft zustande.

“In Mexiko habe ich mir die Pünktlichkeit abgewöhnt”

Das ist hier in Silicon Valley und den USA ganz anders, alles ist hier so “Hi and bye”. Keine Umarmungen, sehr zielfokussiert und effizient gedacht. Da musste ich mich mit mexikanischem Background erst mal umstellen. Man pickt sich aber aus allen Kulturen die besten Qualitäten raus.

Als deutsche Frau einen mexikanischen Branchenverband zu leiten, hat Ihnen das jemals Schwierigkeiten bereitet?

Also das ich aus Deutschland kam, war sicher ein Vorteil und mir wurde vertraut. Als Frau in einer Männerdomäne war es anfangs ein bisschen schwer, ich war damals auch noch sehr jung. Aber ich konnte mich immer durchsetzen, mir wurde später fast blind vertraut und hatte daher auch nie wirklich Schwierigkeiten.

Was ist der Plan mit Twyxt in den nächsten Jahren? Sehen Sie das als langfristiges Projekt, oder wird’s irgendwann mal ein neues Startup geben?

Jetzt fokussiere ich mich zu 100 Prozent auf Twyxt und will noch gar nicht an andere Dinge denken. Wir sind noch sehr damit beschäftigt, die App weiterzuentwickeln, weitere Investoren zu finden und die Reichweite zu erhöhen. Wir bekommen Emails mit dem Betreff “Ihr habt unsere Ehe gerettet”, das spornt an. Darüber, wie es später mit Twyxt weitergehen soll, oder was danach kommt, denke ich noch nicht nach.

Persönlich möchte ich künftig mehr Zeit in San Francisco verbringen. Ich reise noch immer alle paar Wochen nach Mexico City, weil wir dort auch Investoren und Partner haben.

In Silicon Valley wird das Scheitern zelebriert. Was war Ihr größtes Scheitern, und was haben Sie daraus gelernt?

Ich kann jetzt nicht sagen, dass ich vier Startups gegründet habe und drei davon ist gescheitert. Wir sind noch beim ersten, und wir machen immer wieder  Fehler, die man als Scheitern bezeichnen könnte. Wir haben zum Beispiel anfangs einige Fehler bei der Entwicklung gemacht. Aus denen lernt man und weiß, dass man es beim nächsten Mal anders macht.

Was war der beste Karrieretipp, den Sie bekommen haben?

Folge Deinem Herzen, nicht unbedingt dem Rat der Anderen. Trau dich. Man bereut nur das, was man nicht gemacht hat.

Share.

About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.