Coworking Salzburg Romy Sigl in Athen: “Stimmung positiv und lösungsorientiert”

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Griechenland ist in den letzten Wochen und Monaten stets in den Schlagzeilen präsent. Von geschlossenen Banken liest man da ebenso, wie davon, dass es nicht mehr möglich ist mit einer griechischen Kreditkarte Auslandstransaktionen durchzuführen. So bleibt einem etwa auch das Shoppen im App Store von Apple verwehrt. Romy Sigl, von Coworking Salzburg, wollte sich selbst ein Bild der Startup Szene machen und war für einige Tage in Athen. Wir haben mit ihr darüber gesprochen.

Vor vier Jahren gründete Romy Sigl ihren eigenen Coworking Space in Salzburg. In Athen konnte sie nun beobachten, dass in den Coworking Einrichtungen vor Ort vor allem Frauen sehr aktiv sind. Auch Touristen gibt es rund um die Sehenswürdigkeiten ausreichend, davon, dass das Land gemieden wird, merkt man nichts. Für die Startup Szene sind etwa Bitcoins zu einer alternativen Währungsform geworden. Einrichtungen, wie der Zerofund, sind außerdem wichtig, denn dort versucht man möglichst einfach griechischen Startups über die Krise hinweg zu helfen. Egal, ob die Banken gerade geöffnet sind oder nicht.

Romy Sigl lässt sich auch davon nicht abschrecken, dass ihr MacBook bei einer Demo beschädigt wurde. Aber nun zu dem, was sie zu erzählen hat.

romyfoto

Warum bist du nach Griechenland gefahren?

Dafür gibt es drei Gründe: Wenn es geht bilde ich mir gerne selbst eine Meinung von Orten und Menschen auf der Welt. Ich glaube ganz fest daran, dass Neues dort zustande kommt, wo sich Menschen außerhalb ihrer Komfortzone befinden und neue Systeme dort entstehen wo alte nicht mehr funktionieren. Außerdem liebe ich Großstädte in Temperaturzonen über 30 Grad Celsius, weil dort das Leben auf der Straße stattfindet und Menschen zugänglicher sind. Kurz: Ich bin hier, um zu lernen, welche Lösungen die Gesellschaft auf die Euro/Kapitalismus/Bankenkrise findet und, um mich mit den Problemlösern zu vernetzen, um sie zu unterstützen.

Coworking Space Romantso

Was sind deine Eindrücke von der Startup Szene?

Um einen Eindruck zu bekommen, habe ich ein paar Stunden bei allen Coworking Spaces und Inkubatoren verbracht, die mir von Insidern empfohlen wurden.

Eine Aussage erstreckt sich über alle Gespräche: “Die 60 Euro Beschränkung an den ATMs ist nicht das Problem – wer sich täglich 60 Euro holen kann ist kein Startup, das betrifft uns nicht.“ Ich höre viel über große bürokratische Hürden, wie lange Unternehmensanmeldeverfahren, sich ständig ändernde Gesetze und hohe Steuern z.B. auf Mieten (die of nicht bezahlt werden können, wodurch Schulden beim Staat entstehen). Dass Auslandsgeschäfte im Moment nicht möglich sind, frustriert die Startups zusätzlich und behindert sie im Wachstum.

Warum sie dennoch in Athen bleiben? Weil sie ihr Land lieben und nicht einfach davon laufen wollen – noch nicht. Startups wären nicht Startups würden sie nicht einen Lösung finden. Für Auslandsüberweisungen hat sich Zerofund bereit erklärt vorübergehend auszuhelfen. Ich empfinde die Stimmung trotz aller Schwierigkeiten als sehr positiv und lösungsorientiert. Ich war bei der Demonstration am Mittwoch dabei. Die Stimmung war auch hier friedlich. Die wenigen vermummten Menschen, die aggressiv gegen die Sparpläne der Regierung demonstrieren sind die Ausnahme, man munkelt sogar, dass es keine Griechen waren…

Sharing Startup mytq.co

Du hast auch schon Coworking Spaces besucht: Welche waren das und wie waren deine Eindrücke von der Stimmung vor Ort?

Found.ation: Inkubator Coworking Space, Fokus Web Startups
Romantso: Coworking und Eventspace, Fokus auf Kreativwirtschaft/Künstler
The Cube: Tech Coworking/Makerspace mit Business Angels im Haus
Bios: Coworking Cafe und Eventspace
Orange Grove: Inkubator von der Niederländischen Botschaft

Was mir dort auffällt: Die Leute versuchen sich gerade jetzt gegenseitig auszuhelfen. Coworking Spaces sind wichtige Orte an denen kein Konsumzwang herrscht (wobei das in vielen griechischen Cafes auch nicht das Thema ist) und man auf Gleichgesinnte trifft. Ich spreche mit Maria Scordialos, sie arbeitet gemeinsam mit der Vizebürgermeisterin an einer Plattform zur Sichtbarmachung von Initiativen zum gegenseitigen Support: Kleidertausch, regionales Essen, Alternativgeld…

The Cube, Tech Coworking und Inkubator Space über 5 Ebenen, private Initiative

Der Vizebürgermeisterin scheinen Coworking Spaces wichtig zu sein. Sie hat einen Kiosk als Coworking Space für alle zugänglich eröffnet. Warum das so ist: Es muss daran gearbeitet werden, dass die Energie die durch hohe Arbeitslosigkeit (25%; Jugendarbeitslosigkeit 50%) herrscht nicht in negative Aktivitäten sondern in gegenseitige Unterstützung abgeleitet wird. Dafür ist es wichtig Orte zu schaffen, an denen sich Menschen ohne Beschäftigung aufhalten können.

Impact Hub Athen

Impact Hub Athen

Alle Fotos: Romy Sigl

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Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

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