Historische Diskriminierungs-Klage: Ellen Pao verliert gegen Kleiner Perkins

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Die VC-Firma Kleiner Perkins hat die ehemalige Mitarbeiterin Ellen Pao nicht aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert und gekündigt. Zu diesem Urteil kam das Gericht in San Francisco nach einem vierwöchigen Prozess. Pao forderte in ihrer Klage Schadenszahlungen in Höhe von 16 Millionen US-Dollar ein, weil sie nicht befördert wurde und ihren Job verlor. (Zum Stimmungsbericht aus dem Gerichtssaal)

Beim Gerichtsurteil verzählt

“Das ist genau die richtige Menge Stille”, scherzte Richter Harald Kahn vor der Urteilsverkündung. Betroffen still war es tatsächlich, als die Geschworenen ihr Urteil verkündeten: In allen vier Punkten stimmten sie gegen die Vorwürfe von Pao. Dann kam es jedoch zur Verwirrung. Als der Richter jeden Geschworenen einzeln befragte, stimmten im vierten Anklagepunkt nur acht dagegen und vier dafür. Für ein finales Urteil braucht die zwölfköpfige Jury allerdings eine Zweidrittelmehrheit. Wie sich später herausstellte, hatte sich eine Person auf dem Weg in den Gerichtssaal umentschieden, um den Prozess zu verkürzen.

In dem Anklagepunkt ging es um die Frage, ob Kleiner Perkins die ehemalige Junior VC Pao gekündigt hat, weil sie sich wegen sexueller Diskriminierung beschwert und schließlich eine Klage eingereicht hatte. Zwei Stunden lang beriet sich die Jury dann intern noch einmal. Gegen 17 Uhr Ortszeit fiel schließlich das offizielle Urteil: Auch im vierten Punkt stimmen die Geschworenen dagegen, mit einem 9:3-Verhältnis.

Vom Chief of Staff zur Junior Partnerin

Pao, die mittlerweile CEO des Diskussionsportals Reddit ist, geht damit leer aus. Die vergangen Wochen im Gerichtssaal brachten jedenfalls viele Interna ans Tageslicht: Affären, indirekte Zugeständnisse, dass es Diskriminierung gibt und Meetings, zu denen Frauen nicht eingeladen waren. Kleiner Perkins Caufield and Byers zählt zu den renommiertesten Venture Capital-Firmen des Landes. Zu ihrem Portfolio zählen Twitter, Google und Amazon. Pao kam im Jahr 2005 als Chief of Staff von Senior Partner John Doerr zu KPCB, zwei Jahre später wurde sie Junior Partner. Die von ihr angestrebte Position General oder Senior Partner bekam sie nie.

Zwei Geschworene sprachen nach der Urteilsverkündung über ihre Entscheidung. Man habe sich alle Beweise intensiv angesehen, es habe nicht nur ein Schlüsselereignis gegeben, das zu der Entscheidung führte. Einen großen Einfluss dürften jedoch die Mitarbeiterberichte gehabt haben: “Pao hatte gute Bewertungen als Chief of Staff, aber als Junior Partner gingen die bergab”, sagt Steve Sammut. Aus den Emails sei hervorgegangen, dass die Klägerin eine intelligente Frau sei, die kein Nein akzeptiert. Die weibliche Geschworene Marshalette Ramsey, die in dem Fall für Pao gestimmt hat, sagt, ihr wäre die Bedeutung der Klage nicht bewusst gewesen: “Erst als Pao verhört wurde und der Saal voll war, habe ich das öffentliche Interesse bemerkt. Kleiner Perkins kannte ich vorher nicht.”

Das Anwaltsteam von Kleiner Perkins, ein selbsternanntes “All Girls Trial Team”, kommentierte nach der Entscheidung, dass Diskriminierung am Arbeitsplatz ein wichtiges Thema sei. “Ich habe aber nie auch nur eine Sekunde lang gedacht, dass eine vorsichtige Jury hier Diskriminierung finden könnte”, so Anwältin Lynne Hermle.

Pao  gab nach ihrem Verlust nur ein kurzes, appellierendes Statement: “Wenn ich dabei geholfen habe, das Spielfeld für Frauen und Minderheiten im Venture Capital zu heben, dann war der Kampf es wert.” Auf Twitter kommentiert die Reddit-Geschäftsführerin den drei Jahre langen Rechtsstreit positiv:

Warum der Fall Pao vs. Kleiner Perkins so bedeutend ist

Nur sechs Prozent der Venture Capitalists in den USA sind weiblich, beim Dot-com-Boom 1999 waren es sogar noch zehn Prozent. Als Pao im Jahr 2012 mit ihren Vorwürfen an die Öffentlichkeit gang, sorgte sie für große Sichtbarkeit von der Gender Gap im Silicon Valley und Diskriminierungen am Arbeitsplatz. Einige der Beweise im Fall warfen auch auf ihre Vorgehensweise schlechtes Licht. Andererseits zeigten die Dokumente auch die Verbandelung der männlichen Manager in der Tech-Branche. Und Kleiner Perkins hat mit seinem Investmentvolumen und Portfolio großen Einfluss, aber auch große Verantwortung in der Industrie.

Im Silicon Valley hatte die Ex-VC für ihre Klage großen Zuspruch, sowohl von Frauen als auch Männern. Für viele ist trotz des negativen Urteils des Gerichts der Fall ein Teilerfolg. Immerhin wird das Thema heute noch stärker in der Öffentlichkeit diskutiert und motiviert andere Frauen, sich zu wehren. Denn auch Twitter und Facebook müssen sich demnächst wegen sexueller Diskriminierung vor Gericht verantworten.

Details: Die Re/code-Reporterinnen Liz Gannes und Nellie Bowles haben den Prozess ausführlich aufgearbeitet.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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