Go Silicon Valley Teilnehmer Scarletred: “Ich hatte keinen einzigen typischen Arbeitstag”

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Im Rahmen des Go Silicon Valley Programms werden regelmäßig österreichische Startups, vom Wirtschaftsministerium und der Wirtschaftskammer Österreich, für ein bis drei Monate ins Silicon Valley geschickt. Das Wiener Big Data Hautanalyse Startup Scarletred zog im Zuge dessen Anfang Oktober 2015 nach Sunnyvale, in den Business Accelerator Plug and Play Tech Center. Wir haben uns mit CEO Harald Schnidar darüber unterhalten.

Hauptsächlich Unternehmen in der Pharmaindustrie und ebenso Spitäler will das Startup mit seinem Produkt ansprechen. Nach den nun absolvierten drei Monaten im Silicon Valley ist es aber noch lange nicht vorbei, denn eine nahe Zukunft als PlugAndPlay Company steht bevor, samt Aufnahme im Health Accelerator und der bald bevorstehenden Gründung eines US-Unternehmens mit Sitz im PlugAndPlay Center.

Wie sieht für euch ein typischer Arbeitstag in Kalifornien aus? Oder ist jeder Tag anders?

Die Frage ist leicht zu beantworten. Ich hatte an sich keinen einzigen typischen Arbeitstag im PnP Accelerator Programm, wenn man so möchte ist ein typischer Arbeitstag nämlich genau so, dass es keinen typischen Arbeitstag gibt.

Grundsätzlich gibt es natürlich wichtige Arbeiten, die anstehen und denen man zu Beginn des Tages auch nachkommt bzw. denen man eine höhere Priorität zuordnet (zumindest versucht man es), wie z.B. Business und Finanzplan überarbeiten, eine lange Liste an Mails abarbeiten und neue neue ToDos und Prioritäten festlegen.

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Aber dazwischen, da passiert das Magische und Spezielle im Silicon Valley und der wichtige und dich permanent begleitende übergeordnete Rest. Es gibt immer wieder spontane Unterbrechungen, da etwa eine Business Delegation aus Asien plötzlich mit Blitzlichtgewitter vor deinem Office Space steht. Ihnen gibt man dann spontan ein kurzes Interview.

Oder ganz im Gegensatz dazu hört man einen vertrauten steirischen Akzent und spontan findet man sich vor dem Rektor der TU Graz samt Belegschaft und deren internationaler R&D und Kooperationspartner wieder.

Jeder Arbeitstag ist prinzipiell eine sensationelle Chance neue Leute kennenzulernen und somit wertvolle Kontakte zu knüpfen oder ganz einfach Erfahrungen auszutauschen.

Welche Unterstützung habt ihr seit der Ankunft im Oktober von Seiten des Go Silicon Valley Programms konkret bekommen?

In den ersten beiden Wochen gab es ein intensives Academy-Program, im Zuge dessen einige der ausgewählten internationalen Startups auf den Boden der Realität und somit auf ein passendes Mindset für Silicon Valley gebracht und auch knallhart im Eilzugstempo vorbereitet wurden.

Es finden Pitch Trainings mit Mentoren statt und zu gegebener Zeit kann man sich dann den ersten öffentlichen Pitching Events stellen, dies stets unter Vorhandensein einer kritischen, aber stets mit Feedback hilfreichen Jury.

Es werden Business-Dokumente vom Accelerator bzw. Mentoren angefragt, die an interessierte Venture Partner geliefert werden und bei Interesse erfolgt dann eine Einladung. Im Idealfall auch eine 30 minütige Chance das Produkt und die Geschäftsidee hinter verschlossenen Türen zu präsentieren.

Ich bin erfreulicherweise mehrmals in diesen Genuss gekommen und stehe auch mit jedem dieser Unternehmen seitdem in Austausch. Im Rahmen des Programms kann aus einer Gruppe von Mentoren “the one and only” Mentor gewählt werden, mit dessen Hilfe man unternehmensspezifische Themen, wie Finanzplanung, Skalierung der Geschäftsidee, Markteintritt und Vertrieb in USA und dazugehörigen spezifische Strategien erarbeitet – nur um einige Beispiele zu nennen.

Wenn man es sich leisten kann, dann wählt man mehrere, aber nur eben wann man es sich leisten kann, die Stunden Gagen sind ziemlich hoch, die Mentoren sind aber auch in den meisten Fällen ihr Geld Wert.

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In einer Presseaussendung liest man, dass ihr Gelegenheit hattet, euch mit Mentoren, Startups sowie potentiellen Venture Partnern zu treffen.

Eine erste Anfrage bedeutet grundsätzlich und das ist schon ein gutes Resultat: “Es gibt Interesse von einem großen und international tätigen Unternehmen an deiner Geschäftsidee und am Produkt.”

Innerhalb des Meetings wird dann rasch klar, wo die Interessen beidseitig hingehen, ob es interessante Überschneidungen gibt, die sich nutzen lassen und, ob man zusammen passt, quasi Speed-Dating auf Unternehmens Ebene. In Folge kann man neue Wege einschlagen oder man hat neue triftige Gründe etwas zu ändern.

Wie haben euch die drei Monate für eure weitere Entwicklung beeinflusst und gibt es Pläne für 2016?

Eines ist klar, man geht nicht ins Silicon Valley, um während dieser Zeit und vor allem danach alles beim Alten zu lassen, sonst ist der Aufenthalt verschwendete Liebesmühe und man selbst falsch am Platz.

Ich konnte auf Grund der Erfahrungen in vielen Punkten innerhalb des Geschäftsmodells optimieren und den Business Plan entsprechend US tauglich hochskalieren. Dabei wird man auch gefordert und kommt auf neue Ideen, die dann nicht nur für die Umsetzung der Geschäftsidee in den USA relevant sind, sondern sich vor allem auch auf die bereits laufenden Geschäftsaktivitäten in Europa positiv auswirken.

Das ist übrigens auch etwas, was man als Europäer in vielen Fällen oft erst lernen muss, immer etwas größer als gewohnt zu denken und dies auch durch Erarbeitung realistischer Szenarien zu Papier zu bringen und sich dann zu trauen diese neue große Idee öffentlich zu kommunizieren.

Durch unseren Aufenthalt hat sich daher vor allem nicht nur mein Mindset, sondern das des gesamten Teams massiv geändert. Wir erhalten seit unserem Award im Rahmen der Connected-Health-Expo, wo wir als “Best MedTech Newcomer im Silicon Valley” ausgezeichnet wurden, wesentlich mehr Anfragen, vor allem von interessierten Pharma- und Kosmetikunternehmen, aber auch von möglichen zukünftigen Forschungspartnern, die am Erwerb des Produktes oder aber auch an einer Investition Interesse finden.

Wir haben nicht nur ein einzigartiges neues Produkt, sondern auch damit verbunden große Ziele, vor allem was den raschen internationale Markeintritt und das Wachstum unseres Headquarters in Wien betrifft.

SCARLETRED arbeitet daher aktuell intensiv an einer erste Seed Finanzierungsrunde, welche Ende Q1 2016 auch umgesetzt werden soll. Das gesuchte Investitionszielvolumen beträgt zwei Millionen Euro und interessierte Venture Partner und Business Angels sind herzlichst eingeladen sich bei mir zu melden, um Details austauschen zu können und, um sich dieser ersten und sehr wichtigen Runde anzuschließen.

Gibt es etwas, dass du in den drei Monaten erlebt oder gelernt hast, dass du dir vorher ganz anders vorgestellt hättest?

Ja, vor allem was das kollegiale Zusammenleben in einem Coworking Space angeht. Es war einfach sensationell und der Zusammenhalt unter den einzelnen Unternehmen, vor allem auch innerhalb der selben Branche, in unserem Fall MedTech/Health, ist nicht selbstverständlich.

Immerhin hat man nur drei Monate Zeit sich vor Ort, im Rahmen des Internationalen Startup Programms, zu beweisen. Konkurrenzdenken ist das letzte, was vor Ort aufkommt.

Es war einfach nur toll und das Team SCARLETRED hat vor Ort in kürzester Zeit viele neue Freundschaften geschlossen und ich kann versprechen, wir kommen auch bald wieder.

The „Connected Health EXPO“ closing event for the Plug and Play Tech Center Accelerator Program in Sunnyvale, CA

Posted by Scarletred Holding GmbH on Friday, December 11, 2015

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Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

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