Pendler: Silicon Valleys großes Problem sind die Staus

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Während Google selbstfahrende Autos im Silicon Valley auf die Straßen schickt und Tesla den Autopiloten in seine Autos bringt, gibt es im Valley ein ungelöstes Problem, den Verkehr. Täglich sind etwa Pendler auf dem Weg von San Francisco nach Mountain View, Palo Alto, Menlo Park oder Cupertino und zurück. Wenn sie das Auto nehmen, verwandeln sich die Autobahnen 101 oder I-280 regelmäßig zum Parkplatz.

“All das in der Region versammelte Talent wird nicht auch in die Riesenherausforderung Transport gesteckt”, schreibt Silicon Valley Korrespondentin Christiane Hübscher in einem Artikel für die dpa.

Und wenn dann Anfang Februar nächsten Jahres der Super Bowl in Santa Clara stattfinden wird, aber in San Francisco gefeiert wird, müssen nochmals mehr Leute von A nach B transportiert werden.

Viele Baustellen

San Francisco selbst hat freilich noch ganze andere Probleme. Da wären einerseits die hohen Wohnungspreise, sowie die Knappheit am Wohnungsmarkt, auf der anderen Seite die vielen Obdachlosen in der Stadt. In der El Niño Saison will San Francisco 1100 Betten mehr anbieten, um Menschen, die sonst kein Dach über dem Kopf hätten, vor dem Regen zu schützen. Im August machte Bürgermeister Ed Lee noch mit der Aussage, dass Obdachlose zum Super Bowl die Stadt verlassen müssen auf sich aufmerksam. An echten Lösungen fehlt es aber.

Nicht mehr ganz so verwunderlich scheint es dann, wenn man jüngst auf Reddit lesen konnte, dass es günstiger ist an Werktagen von Las Vegas nach San Francisco, mit dem Flugzeug, zu pendeln als hier zu wohnen.

Leider muss auch jemand, der von Las Vegas kommt, vom Flughafen noch zum Arbeitsplatz und steht da vermutlich wieder im Stau.

Konnte man früher dem Stau um fünf Uhr morgens noch entkommen, hat sich das mittlerweile geändert und man steckt zu dieser Stunde bereits im Verkehr fest. Laut SFGate ist der Verkehr zwischen fünf und zehn Uhr auf der Bay Bridge um zwei Prozent angestiegen, das in den letzten fünf Jahren. Auf der San Mateo Bridge im selben Zeitraum gar um 29 Prozent. Abends ist der Verkehr besonders zwischen 18 und 19 Uhr mehr geworden.

Carpooling Test läuft gerade

Uber testet gerade einen Carpooling Service für Pendler. Dabei kann man von der South Bay nach San Francisco, zu festgelegten Preisen, fahren. An Wochentagen von sechs bis zehn Uhr morgens, um 20 Dollar von Palo Alto aus. Wer daran teilhaben will, muss in einem bestimmten Bereich auf die Abholung warten und wer noch jemanden mitnehmen will, zahlt für die zweite Person den halben Preis. Ob Uber dann allerdings weniger im Stau steht, ist fraglich. Eigene Spuren für Carpooler gibt es teilweise.

1:42 hours for a 20 miles ride. Commuting is fun in Bay Area.

Posted by Torsten Beeck on Thursday, December 3, 2015

Man könnte wohl ebenso aufs Fahrrad steigen und sich dabei gleich das Fitnessstudio sparen. Das haben sich auch SF2G, eine Gruppe von Fahrrad fahrenden in der Bay Area, gedacht, die gemeinsam zum Beispiel nach Mountain View, Palo Alto oder Sunnyvale fahren. Dabei sein kam man indem man einfach zu vereinbarten Treffpunkten kommt. Die Mehrheit der Commuter wird man dort aber nicht antreffen.

Shuttle Busse der großen Tech Firmen

Fündig könnte man da schon eher in den zahlreichen Tech Shuttles von Firmen wie Google, Facebook oder Apple werden. Seit Kurzem dürfen diese auch ganz offiziell in den Muni Haltestellen, also den Stopps der öffentlichen Busse in San Francisco, halten. Die Shuttles wurden neulich dauerhaft genehmigt. Sie ersetzen angeblich bereits jetzt zwei Millionen private Autofahrten jährlich. Freilich sind auch sie nicht unumstritten und schlängeln sich täglich durch die Straßen San Franciscos.

Facebook COO Sheryl Sandberg verkündete in einem Blogpost im Mai diesen Jahres, dass Contractor der Company, dazu gehören auch die Fahrer dieser Shuttle Busse, einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde bekommen müssen. Weiters erklärte sie, dass es mindestens 15 Tage pro Jahr an bezahlten Urlaub und Krankenstand geben wird und für all diejenigen, die keine bezahlte Babypause haben, gibt es pro Kind 4000 Dollar.

Mehr als 35000 nutzen die Shuttle Busse täglich.

Im Zug gibt es viele Menschen, aber kein WLAN

Wer öffentlich unterwegs sein will, muss mit längeren Wartezeiten, Verspätungen und überfüllten Zügen, Bussen und Straßenbahnen rechnen. Ins Valley fährt gar nur der Caltrain regelmäßig. Öffentliche Busse direkt in die Nähe der größeren Tech Companies gibt es nicht. Der Caltrain bietet spärliche Steckdosen und kein WLAN an, mit den Shuttle Bussen kann er da nicht mithalten. Wer also zur umweltfreundlicheren Alternative, den Zügen, tendiert, kann dafür während der Fahrt schlechter oder gar nicht arbeiten. In etwa so gut, wie wenn auf der Strecke Hamburg, Berlin das WLAN nicht funktioniert.

Nimmt man den Caltrain zu den Hauptverkehrszeiten, wird es schwer einen Platz zu bekommen. Beim Einsteigen wird ordentlich gedrängelt, um sicherzustellen, dass man noch in den Zug kommt und wer ein Fahrrad mitnimmt, muss sich in einem eigenen Wagon mit Abstellplätzen und wenigen Sitzgelegenheiten zu frieden geben.

2016 werden des Weiteren die Fahrpreise angehoben. Die Nutzung ist in den letzten fünf Jahren um 60 Prozent angestiegen, berichtet die Peninsula Press. Nicht extra erwähnen muss man wahrscheinlich, dass keineswegs nur in Tech Berufen arbeitende Menschen diesen Zug nutzen, doch haben sie wohl entscheidend zum Anstieg der Fahrgäste beigetragen.

Die von Journalisten in Stanford geschriebene Peninsula Press, veröffentliche zu den steigenden Preisen des Caltrains jüngst auch dieses Video, das die Auswirkungen einer Preiserhöhung anschaulich erklärt:

Für alle die trotzdem mit dem Auto fahren, bieten Apps wie Waze oder Luxe Erleichterungen. Waze, eine von Google gekaufte App, bietet Verkehrsdaten in Echtzeit an und ermöglicht es Staus möglichst effektiv auszuweichen. Freilich bedeutet das auch, dass viele dann durch stärker bewohnte Gebiete fahren, was Anrainer nicht immer glücklich macht.

Parken als Herausforderung in San Francisco

Das Problem mit den Autos geht schließlich beim Parken weiter. Mit Luxe ist Valet Parking überall in San Francisco zugänglich, man bucht über die App eine Abholung und es kommt jemand am Scooter und fährt das Auto zu einem sicheren Parkplatz. Auf Wunsch kann es auch gewaschen und getankt werden, will man weiter, wird es an den gewünschten Ort gefahren und schon kann man einsteigen. Damit ist Parken in all den “maximal zwei Stunden abstellen”, “street cleaning” Zonen und vor allem in stark verparkten Gebieten San Franciscos um einiges einfacher geworden. 

Manche aber, wie Startup L. Jackson, den Recode als den Banksy des Silicon Valleys beschrieb, wissen über solche Autoparkangebote zu scherzen und beziehen dabei auch gleich die in San Francisco gestiegenen Autodiebstähle mit ein:

Bleibt abzuwarten, wie das Silicon Valley dem Thema Verkehr in den nächsten Jahren begegnen will.

Hallo, ich bin Silicon Valley Reporterin, lebe in San Francisco, trinke meinen Kaffee selten aus und bin großer Fan vom Dog Park ums Eck. Ruft mich nicht an.

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