Pop Up-Shops: Wie Jungunternehmer leer stehende Geschäfte wiederbeleben

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 Platz für Neues: Händler testen ihre Produkte mit Pop Up Shops. Die befristet angemieteten Verkaufsflächen dafür finden sie am Immobilienmarkt.

Vom Online-Shop zum eigenen Geschäft

Hinter jedem leer stehenden Geschäftslokal befindet sich eine Chance für Jungunternehmer. Das hat zumindest die ehemalige Hochzeitsplanerin Birgit Horn erfahren. Ein erfolgreicher Online-Shop motivierte sie dazu, ein physisches Geschäft zu eröffnen – Wedding Avenue. „Allerdings wollte ich das Konzept erst einmal testen“, erinnert sie sich. Die Idee zum eigenen Pop Up-Shop war geboren – einer  befristeten Verkaufsfläche, wo sie ihre ausgefallenen Hochzeitsdeko-Artikel herzeigen konnte. „Beim Spaziergang durch den ersten Bezirk habe ich zufällig am Hohen Markt ein leeres Lokal entdeckt“, so Horn.

Sie machte dessen Vermieter ausfindig und überzeugte ihn, ihr das Geschäft nur für zwei Wochen zur Verfügung zu stellen. Der Versuch war erfolgreich, und „durch Kontakte“ bekam die Händlerin die Chance, ihr Konzept auch dem Wiener Einkaufszentrum Gerngross vorzustellen. „Dort habe ich erst einmal eine Pop Up-Fläche für sechs Monate bekommen, die ich dann noch für weitere sechs Monate verlängern konnte.“ Im Sommer war Horn schließlich bereit für ihr eigenes Geschäftslokal und nistete sich einem Lokal in der Siebensterngasse im Wien-Neubau ein.

Wedding Avenue

Nach zwei Pop Up-Shops betreibt Birgit Horn mit Wedding Avenue mittlerweile ein eigenes Geschäft.

„Pop Up-Shops sind im Kommen“, schreibt das Immobilienunternehmen EHL in seinem „Geschäftsflächenbericht 2014“. Besonders die Bereiche Textil, Schuhe und Kosmetik seien für die Verkaufsstände prädestiniert, schreiben die Experten. Während in den USA sich bereits Startups wie The Storefront um die Konzeption dieser Pop Ups und Vermittlung von den leerstehenden Räumen kümmern, müssen Unternehmer – und Flächeneigentümer –  in Österreich sich meist noch selbst durchkämpfen. Verschiedene Initiativen wollen den Trend jetzt hierzulande vorantreiben.

Spezialagentur für Pop Ups

Mit „Pop it Up“ hat sich jetzt die erste Agentur dem Thema verschrieben. David Block vom Handelsdienstleister Salesorger bekam von seinen Kunden eine Anfrage für einen befristeten Shop: „Die schwedische Firma Happy Socks, die weltweit auf das Pop Up-Konzept setzt und dieses Jahr wieder 30 Pop Up Stores eröffnet, wollte, dass wir vorerst mal einen Pop Up Store auf der Mariahilfer Straße realisieren.“ Dass die Geschäfte immer mehr aufpoppen, viel Block schon bei Städtereisen und Branchenevents auf. „In London, Amsterdam oder Paris gibt es Pop Ups schon seit vier oder fünf Jahren“, so der Flächenvermarkter. Schließlich stellte er die Idee auch seinem Kunden, der Kinderschuhmarke Richter vor. Das Unternehmen entschied sich, seine Fabriksverkäufe künftig regelmäßig als Pop Ups zu organisieren. Nach den ersten beiden Projekten entschloss sich der Salesorger-Betreiber, einen eigenen Geschäftsbereich daraus zu entwickeln.

Happy Socks

Die Spezialagentur “Pop it Up” brachte die Marke Happy Socks nach Wien.

Für das Nischenangebot sucht Block derzeit nach Verkaufsflächen: „Wir haben einerseits sehr gute Verbindungen zu diversen Eigentümern von Geschäftslokalen, andererseits versuchen wir uns  auch ein Netz zu vielen Maklern aufzubauen.“ Diese will die Agentur davon überzeugen, dass  das Thema „Pop Ups“ in Zukunft für sie ein interessantes Geschäftsfeld sein könnte, „vor allem wenn es darum geht, leer stehenden Verkaufslokale temporär zu vermieten.“

Die Händler, die sich auf diesen Verkaufsflächen einmieten sollen, findet Pop it Up unter anderem durch Mundpropaganda. Zudem investiert Block viel in die Bewerbung seiner neuen Dienstleistung und ist unter anderem Sponsor des Wiener Sportklubs. „Wir schreiben auch selbst Marken und Firmen an, die wir in anderen Städten entdeckt haben und die uns faszinieren“, so der Agenturleiter weiter. Sein Ziel ist es, in ganz Europa ein Netzwerk von Pop Up-Agenturen aufzubauen, die sich gegenseitig unterstützen.  Geld will Pop it Up durch zwei Wege verdienen: „Entweder wir verdienen einen gewissen Prozentsatz am Umsatz mit, oder wir bekommen eine fix vereinbarte Agency Fee mit der unsere Arbeit abgedeckt ist.“

Chance für Jungunternehmer

Für Anna Wessely, Initiatorin des „Pop it Up Vienna“-Marktes ist das Pop Up-Geschäft hingegen eher Idealismus: „Wir selbst haben ganze 3 Jahre gebraucht um ein Geschäftslokal in Wien zu finden, dass für uns auch leistbar ist. Das ist für viele Jungunternehmer sehr schwierig und wir wollen ihnen eine Plattform bieten, kostengünstig ihre Produkte zu verkaufen und ihr Label bekannter zu machen.“ Einmal im Monat bieten Händler der Nachbarschaft ihre Verkaufsflächen für Pop Ups an.

Pop it Up Vienna

Bei “Pop it Up Vienna” stellen Läden in Wien-Mariahilf ihre Flächen zur Verfügung.

Drei mal fand der Pop it Up-Markt bisher statt, 50 Aussteller machten insgesamt mit. Ein Verkaufsstand kostet zwischen 20 und 40 Euro, die Einnahmen investiert Wessely in die Organisation und Bewerbung des Events. Vor einigen Monaten eröffnete sie in Wien-Mariahilf das Lokal „home made“, wo auch sie einen Bereich für Jungunternehmer zur Verfügung stellt. „Im Moment feilen wir gerade an einem Konzept um das Ganze auch förderbar zu machen, denn unsere finanziellen Mittel sind im Moment viel zu begrenzt um ausreichend Werbung zu machen“, kündigt die Betreiberin an.

Von dem Trend profitieren Vermieter gleichermaßen wie Jungunternehmer, sind sich die Pop Up Shop-Betreiber einig. Hochzeits-Expertin Birgit Horn bietet etwa auch in ihrem Geschäft Flächen an, um die hohen Mietkosten zu kompensieren. „Unserer Meinung nach sind alle leerstehenden Flächen für Pop Ups geeignet. Die Fläche muss natürlich immer zum Produkt und zur Zielgruppe passen, aber mittels Social Media Kanälen bekommt man die Kunden mittlerweile überall hin“, weiß Pop it Up-Gründer David Block. Sogar ein Candle Light Dinner in einer Autowerkstatt könnte er sich als Promotion vorstellen.

2015 – Jahr der Pop Ups

Eigentümer hätten laut Block mit Pop Ups „eine sinnvolle Zwischennutzung und zusätzliche Mieteinnahmen, aber auch eine größere Aufmerksamkeit für ihr Lokal und eine nettere Präsentation für potenzielle Mieter.“ Wer sich nicht auf neue Spezialagenturen wie Pop it Up verlassen möchte, dem rät Jungunternehmerin Horn, auf das persönliche Netzwerk zurückzugreifen: „Es stehen viele Geschäfte in Wien leer. Wer sich umhört und mit offenen Augen durch die Welt geht, findet das passende.“

Bislang sind die befristeten Geschäfte vorwiegend nur in der Hauptstadt zu finden. „Die ersten Anbieter werden sich erst einmal auf Wien konzentrieren. Wenn das Thema hier angekommen ist, werden Pop Ups schnell auch andere Städte erreichen. 2015 wird das Jahr der Pop Ups“, prognostiziert Block.

Auch wenn viele Handelsunternehmen auf E-Commerce setzen, sieht Wessely Potenzial in Österreich: „Online-Shops sind zwar schön und gut, aber der persönliche Kontakt zu Kunden ist einfach wesentlich mehr wert und bietet die Möglichkeit,  den Mensch hinter der Marke kennenzulernen.“

Dieser Artikel erschien in geänderter Form in der aktuellen Ausgabe des Horizont Bestsellers.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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