Selma Prodanovic: “Wir brauchen mehr weibliche Investoren”

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Gastkommentar von Business Angel und Brainswork-Geschäftsführerin Selma Prodanovic: Gründerinnen brauchen Sparringspartner, die sie ernst nehmen, und prominente Vorbilder machen angehenden Unternehmerinnen Mut.

Jahrelang prägten sie das Bild der Gründerszene: die coolen Jungs um Mark Zuckerberg und Jack Dorsey, die in Hoodies und Badeschlappen lässig die Welt verändert haben. Für Frauen gab es da keinen Platz, sie fristeten oftmals ein Schattendasein. Und tatsächlich belegen die Zahlen bis heute: Männer sind bei Gründungen mutiger, während bei Frauen die Risikoaversion ausgeprägter ist. Doch muss es dabei nicht bleiben: Hier sind vor allem Vorbilder gefragt, die Zweifel aus dem Weg räumen können – und das nicht nur mit lieben Worten. Denn vielen Gründerinnen fehlen schlichtweg weibliche Business Angels, eine eigene Community. Wenn wir eine Vielfalt an Start-ups haben wollen, brauchen wir auch eine Vielzahl an Investoren, die an verschiedenen Bereichen interessiert sind.

Ohne eigene Community wird es für Unternehmerinnen schwer bleiben

Die potenziellen Gründerinnen dürfen nicht allein gelassen werden, sie benötigen einen Sparringspartner auf Augenhöhe. Jemand, der möglicherweise den gleichen Weg mit ähnlichen Widerständen gegangen ist, weiß, welche Hürden zu meistern sind. Und der sie und ihre Geschäftsidee ernst nimmt. Machen wir uns nichts vor: Es ist selbst heute noch ein Unterschied, ob ein männlicher Investor mit einem jungen Gründer oder eben einer Gründerin in einer Bar bis zur späten Stunde bleibt und informell die Strategie bespricht. Und wie schwierig ist es für einen Business Angel, dessen Frau zu Hause die Kinder hütet, sich ernsthaft mit den Problemen einer alleinerziehenden Unternehmerin zu identifizieren? Selbst wenn der Investor frei von Klischeedenken ist, fehlt es den Frauen noch immer an einem Vorbild – einer Identifikationsmöglichkeit.

Denn die Entwicklung folgt dem Schneeballprinzip: Einzelne Frauen gründen, teilweise mit außerordentlichen Erfolgen wie etwa Elizabeth Holmes von Theranos. Sie schaffen damit die Voraussetzung, die weitere potenzielle Gründerinnen in ihrer Entscheidung bestärkt – sie fungieren als Vorbilder. Auch Marissa Mayer von Yahoo oder Sheryl Sandberg von Facebook, wenngleich beide keine Gründerinnen, machen mit ihren Führungspositionen den Frauen Mut und zeigen: Das Internet ist längst nicht mehr männlich. Ganz im Gegenteil: Das Netz bietet insbesondere im Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Karriere unheimlich viele Möglichkeiten – und immer mehr Gründerinnen erkennen das.

Wer sein eigener Chef wird, stößt nicht länger an die „gläserne Decke“

Ich habe selbst diese Erfahrung gemacht, jetzt können andere von mir lernen: Als Mutter von zwei Kindern gab es für mich keinen adäquaten Job. Ich habe daraus eine Tugend gemacht und die Box, in die ich passen könnte, einfach selbst erfunden: Mit meinem Unternehmen Brainswork berate ich Unternehmensgründer, darunter viele Frauen. Sie sehen für sich spannende Möglichkeiten, die sich durch das Internet auftun – und erobern Stück für Stück die mobile Welt, die im Gegensatz zu den klassischen Corporate-Strukturen wesentlich stärker von Flexibilität geprägt ist. Hier erschaffen sie also ein Umfeld, in dem sie als eigene Chefin ihre Arbeitszeit und Mobilität oder Kinderbetreuung unabhängig von der Personalabteilung eines Großkonzerns planen können. Und in dem sie an einem sicher nicht mehr zu scheitern drohen: der „gläsernen Decke“.

Über die Autorin

Selma Prodanovic berät mit Brainswork Startups, war als Investorin in der Puls4-Show “2 Millionen 2 Minuten zu sehen” und ist Vorstandsmitglied der Austrian Angel Investors Association. Dieser Text erschien ursprünglich bei Xing

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