Stephanie Urbanski: Vom MBA zum Startup-CEO

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +
Die Wienerin Stephanie Urbanski pausierte vor zwei Jahren ihre Marketing-Karriere in einem Technologiekonzern, um einen MBA in San Francisco und New York zu absolvieren. Heute ist sie die Geschäftsführerin der US-Tochter eines österreichischen Startups. Wie geplant dieser Weg war, hat Fillmore die Managerin gefragt. 

Ein Google Doc mit Startups, die heute zum Teil gar nicht mehr existieren, und Unis war der Beginn eines mehrjährigen Abenteuers in San Francisco – nicht nur für mich, sondern auch für Stephanie Urbanski. Als wir uns vor fünf Jahren das erste Mal zum Abendessen trafen, erzählte sie mir von ihren Plänen, einmal in New York zu studieren. Zwei Jahre später saßen wir in einem Hipster-Cafe in Wiens Freihausviertel, um unsere gemeinsame Reise nach San Francisco zu planen. Es war nicht unser erstes Mal in der Bay Area. Wir wussten aber, dass dieser Aufenthalt eine Veränderung für uns bringen würde – nur noch nicht in welcher Form. Im November 2012 besuchten wir vor Ort die Hult Business School. Mir war danach klar, dass ich lieber Korrespondentenarbeit als einen MBA mache. Stephanie hingegen realisierte ihr jahrelanges Vorhaben: ein MBA-Studium in den USA.

Mittlerweile lebt die ehemalige Marketing-Managerin von Nokia Österreich (die Akquisition durch Microsoft wurde wenige Tage nach Stephanies Ankunft in San Francisco bekannt gegeben), seit zwei Jahren in San Francisco. Nach dem einjährigen MBA-Studium in San Francisco und New York arbeitet die Absolventin seit einem Jahr bei Indoo.rs, ein österreichisches Startup für Indoor Mapping, das auch für den Flughafen San Francisco bereits ein Pilotprojekt umgesetzt hat. Seit diesem Frühling ist sie offiziell CEO der US-Tochter und treibt die Geschäfte mit amerikanischen Kunden voran. Grund genug, über den Wandel von der Konzernmitarbeiterin über den MBA zur Startup-CEO zu sprechen.

“Wenn Persönlichkeiten aus 60 verschiedenen Ländern zusammentreffen, dann ist Teamarbeit ungeahnt herausfordernd”

Was war für dich der ausschlaggebende Grund, einen MBA zu machen?

Schon während meines Studiums wusste ich, dass ich einen MBA im Ausland machen will. Ich hab immer gern studiert und Neues gelernt. Vor zwei Jahren war ein MBA dann die perfekte Möglichkeit, um ein Jahr Auszeit zu nehmen, in die USA zu gehen und ganz neu anzufangen.

Hattest du damals eine Vision, was du später machen willst? 

Am wichtigsten war mir, dass es eine Erfahrung wird, bei der ich mich persönlich weiterentwickle. Mir ist durchaus bewusst, dass die praktische Bedeutung eines MBAs in den letzten Jahren stark abgenommen hat. Für meine berufliche Laufbahn hatte ich hauptsächlich den Wunsch von meiner sehr spezialisierten Funktion im digitalen Marketing mehr Richtung General Management zu gehen.

StephanieUrbanski2

Was war das herausforderndste am MBA-Studium?

Während eines einjährigen Vollzeit-MBAs in einem fremden Land warten einige Herausforderungen, angefangen von organisatorischen Dingen über klassischen Leistungsdruck bis hin zu zwischenmenschlichen Erfahrungen. Die größte Herausforderung war sicherlich die Teamarbeit, denn das gesamte Studium war auf Arbeiten in verschiedenen Teams aufgebaut. Hört sich in der Theorie harmlos an, aber wenn Persönlichkeiten aus 60 verschiedenen Ländern zusammentreffen, dann ist Teamarbeit ungeahnt herausfordernd.

Was war das wichtigste, das du gelernt hast?

Die wichtigste Erfahrung war sicherlich ins Ausland zu gehen und dort ganz neu anzufangen. Während des MBAs selbst lernt man wohl am meisten über sich selbst und wie man von anderen in einem professionellen Umfeld wahrgenommen wird. Mit Kritik und Feedback umzugehen ist nie einfach, aber gleichzeitig die größte Chance sich selbst weiterzuentwickeln.

“Während des MBAs selbst lernt man wohl am meisten über sich selbst”

Rückblickend betrachtet: Denkst du, braucht man einen  MBA? 

Es gibt zahlreiche Gründe, einen MBA zu machen: um einen Business-Background zu erwerben, um sich im Job weiterzuentwickeln, gar Job oder Branche grundlegend zu wechseln oder um Erfahrung im Ausland zu sammeln. Ein MBA ist sicherlich nicht geeignet, um sich währenddessen zu überlegen, was man eigentlich will. Der wichtigste Tipp ist daher, schon vor dem MBA zu wissen, welche Erwartungen man danach hat. Das beeinflusst dann auch alle weitere Entscheidungen, welche Universität, in welchem Land und welches Programm man wählt. Oder vielleicht realisiert man, dass man das Geld lieber verwendet, um eine Weltreise zu machen, sein eigenes Business zu starten oder einfach nur ein Jahr Auszeit zu nehmen.

Stephanie Urbanski im ORF-Interview:

Würdest du mit diesem Wissen den MBA noch mal machen oder dich für einen anderen Weg entscheiden?

Ich würde es definitiv wieder tun. Für mich war es ein tolles Jahr, ich habe unglaubliche Menschen kennengelernt und es ermöglicht mir jetzt in Kalifornien zu leben. Was ich im Nachhinein anders machen würde? Ich wünschte ich hätte den MBA einige Jahre früher gemacht und mir mehr Zeit für die Vorbereitung genommen.

“Vielleicht realisiert man, dass man das Geld lieber verwendet, um eine Weltreise zu machen”

Du bist nach dem Studium in San Francisco geblieben, ist das ein guter Ort für MBAs?

Ja, wenn man sich für die Tech- und Startup-Szene interessiert, dann ist es ein unglaublich spannender Ort. Und die Auswahl an MBA Programmen ist auch groß: von renommierten Universitäten bis hin zu neueren Programmen ist alles vertreten. Das ist auch einer der Gründe warum Silicon Valley so inspirierend ist. Die Kehrseite ist, dass es auch enorm viel Talent gibt und der Wettbewerb um gute Jobs sehr, sehr groß ist. Und habe ich schon erwähnt wie teuer das Leben und Wohnen in San Francisco ist?

Share.

About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

Leave A Reply