Tastemade: MTV trifft auf Food Network trifft auf Instagram

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Zu Besuch im Studio von Tastemade. Das Startup produziert Videos für YouTube – und will jetzt auch das Fernsehen erobern.

Studio mit Geschichte

Die Location könnte passender nicht sein. In einer 650 Quadratmeter großen Lagerhalle hat sich vergangenes Jahr Tastemade angesiedelt. In den 80er Jahren entstanden an diesem Ort MTV-Produktionen und Musikvideos. Und zuletzt verschickte hier der Schuhhersteller Toms seine Waren.

Das Videonetzwerk startete vor nicht einmal zwei Jahren als Contentanbieter im Food-Bereich. Gegründet haben das Medienstartup  Steven Kydd, Larry Fitzgibbon, Joe Perez. Die drei waren zuvor im Management des Contentproviders Demand Media. Mit Tastemade wollen sie das Food Network der neuen Generation schaffen. “So etwas wie das MTV unter den Food-Channels”, erklärt Oren Katzeff, Head of Programming, beim Rundgang mit Fillmore.

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Kochen vor und hinter der Kamera

Das Medienunternehmen startete mit der Produktion von Koch-Videos für einen YouTube-Kanal. Das Angebot wuchs schnell, mittlerweile produziert Tastemade mehrere Shows. Die beliebteste ist “Thirsty for”, die Serie zeigt Rezepte für Cocktails. Mehr als 300.000 Abonnenten hat der Kanal bereits, die Beiträge erreichen teilweise mehr als eine Millionen Views.

Drei Küchen, eine Bar und eine Bühne umfasst das Studio von Tastemade in Santa Monica. Hier produziert das Team die Videos gemeinsam mit den Protagonisten der jeweiligen Show. Die eigentliche Zubereitung der Speisen für die Kochshows passiert in einer kleinen, unspektakulären Küche. Doch auch die Schauküchen sind tatsächlich funktionstauglich. “Wir veranstalten auch Live-Shows und Kochkurse, alles ist modular aufgebaut”, erklärt der Programmchef. Auch die Bar ist echt, hier wird bei Branchenveranstaltungen genetzwerkt.

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Instagram für Foodies

“Wir sind ständig auf der Suche nach neuen Talenten”, berichtet Katzeff. Die aktuellen Gesichter der Tastemade-Produktionen fand das junge Unternehmen durch das eigene Netzwerk sowie Talentesuche im Netz. Eine weitere Quelle ist die iPhone-App des Videportals. Als “Instagram für Foodies” bezeichnet der Head of Programming die Anwendung. Hier können Nutzer einminütige Filme über Restaurants aufnehmen und teilen. Dafür gibt die App den Aufbau des Beitrags vor, Instagram-ähnliche Filter und Hintergrundmusik machen die DIY-Videos zu verwertbarem Material.

Die User-generierten Videos kategorisiert Tastemade in Städte. Die meisten davon kommen laut Babsi Schafer, Verantwortliche für Partner Outreach, aus den USA. Im deutschsprachigen Raum hat die App knapp 20 Nutzer, “wir wollen künftig noch mehr internationale Nutzer”, so die Partner-Managerin.

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Auf allen Kanälen vertreten

Mit einer Heavy-Userin der App arbeite man gerade an einer Kollaboration, verraten die beiden Tastemade-Kollegen. Die App ist nur ein kleiner Teil der Gesamtstrategie des Startups: Tastemade will sich von YouTube emanzipieren und “überall sein”. Deshalb verlegt die Plattform den Fokus auf die eigene Website sowie weitere Kanäle. So sind die Tastemade-Shows auch über Yahoo, Roku und AOL verfügbar. Katzeff sieht es als seine Aufgabe, “ein lineares Programm, ähnlich wie das Food Network oder MTV in den 80er Jahren” zu schaffen. Auf den Screens im Tastemade-Büro laufen schon jetzt die Serien in einer Endlosschleife.

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“Desktop, Mobile und Fernsehen”, alle Distributionswege sind für Tastemade denkbar. Letzerer ist in greifbarer Nähe: US-TV-Produzent und Moderator Ryan Seacrest hat mit dem Digital Media-Unternehmen kürzlich eine strategische Partnerschaft abgeschlossen. Was die beiden planen, will Katzeff noch nicht verraten.

Gute Zeit für YouTube-Partner

Geld verdient Tastemade derzeit mit Werbeeinnahmen durch den YouTube-Kanal sowie Markensponsoring. “Unser Team überlegt sich, wie Produkte charmant in die Koch-Videos integriert werden können”, erklären Schafer und Katzeff. Hier gebe es großen kreativen Spielraum. Um Marketer über das Fernsehen der Zukunft aufzuklären, veranstaltet Tastemade Info-Events und Parties in seinen Räumlichkeiten.

Die Stimmung unter YouTube-nahen Produktionsstätten ist derzeit sehr gut, wie der Programmleiter bestätigt: “Dass Disney vor wenigen Wochen Maker Studios übernommen hat, zeigt die Relevanz dieser neuen Industrie auf.” Sein Arbeitgeber konkurriere zwar mit Multichannel-Netzwerken wie Maker oder Machinima, letztendlich sei Tastemade jedoch ein Publisher. Die Zukunft für das Videoportal sieht Katzeff breiter als Kochen und Kulinarik: “Andere Lifestyle-Themen passen jedenfalls auch in den Begriff Tastemade.”

 

Fotos: Elisabeth Thalinger

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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