Theranos: Von neun Milliarden auf 800 Millionen Dollar

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Kommentar: Über den Sinn und Unsinn von Startup-Bewertungen. 

In deutschsprachigen Massenmedien wird vorwiegend nur in zwei Fällen über Startups berichtet: Wenn eines immens hoch bewertet wird oder heftig scheitert. Im Fall des Biotech-Unternehmens Theranos ist beides innerhalb weniger Monate passiert. Als Forbes Elizabeth Holmes, die Gründerin des 9-Milliarden-Startups, zur jüngsten Milliardärin ernannte, erhielt Theranos dafür internationale Aufmerksamkeit. Seit einigen Monaten ist der Bluttestanbieter allerdings in der Krise, weil das Verfahren stark angezweifelt wird. Jetzt muss sich Theranos vor Regulierungsbehörden und Gericht verantworten.

Das lässt nicht nur den Marktwert der Technologie sinken. Forbes gab heute bekannt, dass Holmes nicht mehr als Milliardärin eingestuft wird. Nach Gesprächen mit Experten und Einschätzungen von Investoren geht das Magazin davon aus, dass das Startup heute nur mehr 800 Millionen US-Dollar wert ist. „Zuviel ist ungewiss und Theranos hat nicht geliefert”, begründet Forbes die Entscheidung. Holmes’ Anteil an Theranos sei so gut wie nichts wert. Übrigens wurde die Vermögensannahme von Forbes schon davor kritisiert.

Wir bei Fillmore lieben ja Zahlen. Wenn ich bei Gründerszene über Milliarden-Bewertungen und Investments berichte, merke ich auf Twitter immer wieder Verwunderung über die wahnsinnig hohen Zahlen – zurecht. Sogar Investoren haben mir in den vergangenen Monaten gesagt, dass diese Zahlen nicht mehr nachvollziehbar sind. Ich erwähne sie trotzdem, um die Entwicklung der Startup-Szene aufzuzeigen. Und wenn etwas verrückt klingt, dann ist es meist auch verrückt – was nicht unbedingt falsch sein muss.

Forbes zeigt mit seiner Korrektur, wie schwer es für uns JournalistInnen ist, Unternehmen zu bewerten. Noch viel schwerer ist es bei Biotech-Produkten, deren Nutzen und Innovationsgrad zu bewerten. Erst als ein Medium Theranos’ Bluttest hinterfragt hat, begann das Luftschloss zu bröckeln. Ja, wir hinterfragen zu wenig, was unter anderem an den Arbeitsbedingungen im Journalismus liegt. Der Fall Theranos und Holmes zeigt weiters, wie haltlos diese Bewertungen sein können. Ein Jahr nach dem großen Hype ist das Startup aus dem Unicorn-Boom verschwunden, und Holmes hat höchstwahrscheinlich keine 4,5 Milliarden US-Dollar auf ihrem Konto (hatte sie wohl auch nicht vor einem Jahr). Darum schließe ich mich der Forderung an: Quit idolizing entrepreneurs.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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