Warum wir nicht über Startup-Finanzierungen ohne Summe berichten

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Neues Investment über eine Presseaussendung kommunizieren, aber den Betrag nicht verraten – eine Eigenart von österreichischen Startups? 

Kein schwammiger Rahmen, sondern eine konkrete Zahl

Ich liebe es, über Geld zu sprechen. Und noch viel mehr liebe ich es, über Geld zu schreiben. Täglich informiere ich mich über die Summen, die in den USA und Europa den Startups zugeschoben werden. Für Gründerszene gebe ich werktags jeden Morgen einen Überblick über die bedeutendsten Kapitalzuwächse. Nur in Österreich, da berichte ich so gut wie nie über Finanzierungsrunden.

Es ist ja nicht so, dass es in meiner Heimat noch immer kein Venture Capital gebe – im Gegenteil. Die VC-Firmen sagen mittlerweile schon, wie viel Budget in ihren Risikokapitalfonds steckt. Startups schicken auch brav ihre Neuigkeiten an den Presseverteiler raus, so wie es ihnen die PR-Berater gezeigt haben. Doch dabei fehlt in neuneinhalb von zehn Fällen eines: die Angabe der tatsächlichen Summe, die ein Startup von den Investoren erhalten hat.

In der österreichischen Medienlandschaft haben die Jungunternehmer Glück, die meisten geben sich mit einer vagen Aussage zufrieden. Woher das Geld kommt, wird selten hinterfragt. “Das dürfen wir nicht sagen”, antworten mir die meisten als Begründung. Da die heimische Förderlandschaft die Gründerszene stark finanziert, kann auch nicht vom klassischen Wagniskapital gesprochen werden. Vielleicht nennt deshalb niemand den konkreten Betrag?

Österreichische Geldansichten

In US-amerikanischen Medien wird zwar mehr über die Summen spekuliert (weil es mehr Vergleichswerte gibt), mit “undisclosed amounts” gibt man sich jedoch selten zufrieden. Müssen die Reporter auch nicht, denn die Startups reden gern übers Geld, sobald eine Finanzierungsrunde abgeschlossen ist. Kein schwammiger Rahmen, sondern eine konkrete Zahl wird veröffentlicht.

Das zeigt wichtige Bewegungen im Startup-Ökosystem. Vor drei Jahren haben mich im Silicon Valley noch einstellige Millionenbeträge bewegt, heute finde ich alles unter zehn Millionen US-Dollar kaum erwähnenswert. Wie das Bild in Österreich aussieht? Ich weiß es nicht. Die risikokapitalfinanzierten Unternehmen wollen zwar gern in der Öffentlichkeit stehen, verstecken sich dann aber doch gern hinter nichtssagenden Phrasen.

Was mich bei der Verschwiegenheit um die Höhe der Finanzierungen besonders stört: Die österreichische Community versucht, sich international als bedeutender Startup-Hub zu positionieren und wirft gern mit Silicon Valley-Vergleichen um sich. Wenn es ums Geld geht, ist man jedoch lieber österreichisch als amerikanisch.

Muss ein Startup über seine Finanzierung öffentlich sprechen? Nein. Aber wenn schon PR dafür gemacht und für Wirbel gesorgt wird, dann steht doch zu der Summe oder spart euch die Arbeit ganz. Eine solche Meldung bringt keinen Mehrwert, und wird von mir deshalb nicht berichtet. Mehr Transparenz würde der österreichischen Startup-Szene mehr Glaubwürdigkeit geben.

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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