Wie Online-Shops erste Offline-Erfahrung sammeln

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Mit Pop-up-Shops testen Jungunternehmer ihren Markt ab. Für viele ist die Offline-Experience der nächste logische Schritt nach einem Online-Shop.

Aufgeklappt

Der Hinterhof eines Apartmentkomplexes, eine kleine Nische im Coffeeshop oder eine ganze Markthalle: Jeder leer stehende Quadratmeter ist in San Francisco Gold wert. Pop-up-Shops heißen die zeitlich – und räumlich – begrenzten Verkaufsräume von kleinen, meist lokalen Händlern. Dabei ist das Modell nicht neu: „Wir haben jetzt nur ein Buzzword dafür gefunden“, sagt Tristan Pollock, der mit seinem Start-up Storefront Verkaufsflächen an Händler vermittelt.

Den Ursprung im aktuellen Trend zu Pop-up-Stores sieht Pollock im E-Commerce: „Marktplätze wie Etsy haben Kleinunternehmern dabei geholfen, ihre Produkte einfach online an ein großes Publikum zu bringen. Der stationäre Handel ist für viele erfolgreiche Anbieter der nächste Schritt.“ Eine Verkaufsfläche über einen begrenzten Zeitraum zu mieten unterstütze den schlanken Ansatz, den viele kleine Händler brauchen: „Das Risiko ist gering. Man muss sich nicht binden, kann den Markt testen und ist bei den Kosten flexibel“, zählt der Portalbetreiber die Vorteile auf.

Mit Storefront hat er den Bedarf des Offline-Geschäfts erkannt und listet  seit Anfang 2013 auf der Website verfügbare Verkaufsflächen – quasi Airbnb für Gewerbeimmobilien. Wer über Storefront einen Raum mietet, bekommt dafür auch gleich die Versicherung sowie Unterstützung bei der Umsetzung des Geschäfts.

Rotierendes Angebot

Zum Start konzentrierte sich die Plattform auf San Francisco, seit Kurzem ist Storefront auch in New York vertreten. Aktuell unterstützt Pollocks Team Art.com, einen Online-Shop für Kunst- und Einrichtungsobjekte, bei seiner ersten temporären Präsenz in der Tech-Metropole. In New York hat Storefront kürzlich für das Design- Label von Rapper Kanye West einen Pop-up-Shop umgesetzt. Besonders gut funktionieren laut Pollock im Pop-up-Handel Produkte aus dem Kunst-, Mode- und Design-Bereich: „Alles, bei dem das Offline-Erlebnis des Produkts eine wichtige Rolle spielt.“ Schokoladen, T-Shirts und Schmuck: Der Online-Marktplatz Storenvy ist die virtuelle Heimat für rund 40.000 Händler aus den unterschiedlichsten Kategorien. Die Shopbetreiber wollten ihren Partnern jedoch eine Offline-Experience anbieten und mieten seit einigen Wochen ein Geschäftslokal in einem Einkaufszentrum.

Das Konzept: Kleinhändler dürfen jeweils 30 Tage einen Pop-up-Shop in dem Lokal aufstellen. Das Portfolio und die Anzahl der Shops ändern sich also jeden Monat. „Das gibt Kunden die Möglichkeit, Produkte kennenzulernen, die sie in großen Handelsketten nicht finden würden. Da sich unser Angebot auch laufend ändert, kommen Kunden immer wieder, um Neues zu entdecken“, erklärt Geschäftsführer Jon Crawford das Modell des Storenvy-Pop-up-Shops. Das Projekt hatte Storenvy ursprünglich auch nur für einen kurzen Zeitraum angelegt. Da der erste Monat die Erwartungen übertroffen hatte, verlängerte Crawford den Mietvertrag bis Ende Jänner. Eine Expansion in weitere Städte sei derzeit jedoch nicht geplant.

Vom Pop-up zum unabhängigen Geschäftslokal

Wenn nach dem Onlinegeschäft der Pop-up-Shop folgt, ist dem- zufolge ein langfristiges Verkaufslokal der nächste logische Schritt. Das hat etwa Project Juice, eine Saftbar, geschafft. Nach einem erfolgreichen Testlauf in einem Coffeeshop bezog das Ein-Personen- Unternehmen ein eigenes Lokal in einem Einkaufscenter. Die Kuchenbäckerinnen von Three Babes Bakeshop verkauften ihre Waren anfangs in Cafés, vertrieben sie später über andere Essenslieferservices und arbeiten jetzt an ihrer Bäckerei. Für Storefront- Erfinder Tristan Pollock sind flexible Handelsmodelle wie diese ein Trend, der auch außerhalb der USA funktionieren kann. „Wir sehen in unserer Webstatistik Hunderte internationale Städte, nach denen User suchen. Es ist garantiert Potenzial und Bedarf da – sowohl bei Kunden als auch bei den Händlern.“

(Artikel erschienen in Horizont Bestseller 11-12/2013)

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About Author

Berichtet als freie Silicon Valley-Korrespondentin über Technologie und Wirtschaft und betreibt seit 2014 das Portal Fillmore.

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